Mit einem freundlichen Lächeln wurden wir von Herrn Niestroj in
seinem Büro empfangen. mehr als eine Stunde nahm sich der
Schulleiter für unsere Fragen Zeit und eröffnet damit eine neue
Rubrik unserer Jugendreporter, die sich „Thema“ nennt. In dieser
Rubrik äußert sich der Gesprächspartner noch über aktuell wichtige
Dinge. Der leidenschaftliche Fußballfan Niestroj ist seit 2017
Oberhaupt unserer Schule und somit hat er auch schon die eine oder
andere spannende Erfahrung gemacht. Als zweifacher Familienvater
hat er eine Menge Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, weshalb
er seine Arbeit als Schulleiter mit großer Freude bewältigt. Auch
wenn es manchmal zeitaufwendig ist, kommt er jeden Morgen mit einem
Lächeln im Gesicht in die Schule, um die Angelegenheiten des
Athenaeums zu managen. „Ich wollte immer Lehrer werden, seit ich
Berufsziele hatte, also mit etwa 15 Jahren. Damals hatte ich einen
ganz tollen Englischlehrer, der mich insbesondere in seinem Fach
begeistert hat und ab da wusste ich: Es kann nur Lehrer sein“,
erzählte uns Herr Niestroj und gab auch auf alle anderen Fragen
offen Antwort.
Was war der beste Rat Ihrer Eltern?
„Ruhig bleiben und seine Arbeit machen.“
Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?
Der eine Englischlehrer, den ich in der 5. Klasse hatte auf jeden
Fall, aber ich bewundere auch Martin Luther King, weil er sich auf
seine gewaltfreie Art für die Gleichberechtigung eingesetzt hat und
das finde ich sehr bewundernswert.
Was haben Ihre Lehrer über Sie gesagt?
„Du bist zu still im Unterricht.“
Wann und warum haben Sie sich für den Beruf entschieden, den Sie
heute machen?
Mit dem Abitur war das eigentlich klar.
Wer waren Ihre wichtigsten Unterstützer?
Auf jeden Fall meine Eltern, damit meine Brüder und ich studieren
konnten, haben sie viele Opfer auf sich genommen für die damalige
Zeit, aber für den letzten Schritt zum Schulleiter auch noch die
ehemalige Schulleiterin vom Vincent-Lübeck Gymnasium, sie hat mir
viel beigebracht und mich auf den Job vorbereitet. Sehr dankbar bin
ich auch Herrn Sandrock, da er es geschafft hat, mich von der
Orientierungsstufe hier aufs Athenaeum zu holen, weil ich da
unbedingt weg wollte.
Auf wen hören Sie?
Auf meine innere Stimme, meinen gesunden Menschenverstand und
zunächst auf viele, die mich hier beraten, also erstmal viele
Meinungen anhören und dann Entscheidungen treffen.
Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?
Nicht nicht kommunizieren.
Was sind Eigenschaften, die Sie an Ihren Chefs bewundert haben?
Strukturiertheit in der Arbeit, Transparenz, dass es keine
Geheimniskrämerei gibt und klare Entscheidungen, die
nachvollziehbar waren und man wusste, wo sie her kamen, das finde
ich sehr wichtig.
Was sind die Prinzipien Ihres Führungsstils?
Transparenz und Kommunikation stehen eigentlich über allem.
Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?
Es ist schön, wenn man sich keine Sorgen machen muss, aber es ist
kein Wert der besonders wichtig ist.
Was erwarten Sie von Ihren Kollegen?
Ich möchte, dass man die Meinung ehrlich sagt, dass mit mir
gesprochen wird, wenn es Probleme gibt, dass man sich auch Rat
holt, wenn man diesen braucht und natürlich ein netter,
freundlicher Umgangston, was hier aber alles ziemlich rund läuft.
Worauf achten Sie bei Bewerbungen?
Wichtig ist, dass sie vom Typ her ins Kollegium passen, dass ich
den Eindruck habe, dass sie auch Willens sind etwas zu bewegen,
dass sie eine gewisse Motivation mitbringen und natürlich fachlich
auch geeignet sind. Die Bewerber müssen nicht alle eine 1+ als
Vornote mitbringen, was zwar schön ist, aber es muss einfach
menschlich passen.
Duzen oder siezen Sie die Kollegen?
Auf der Schulleitungsebene duzen wir uns alle, aber mit den
Kollegen ist es unterschiedlich. Die, die ich noch kenne, als ich
hier vor zehn Jahren als Lehrer gearbeitet habe, duze ich auch
weiterhin, bei den anderen finde ich es schon okay, wenn man eine
gewisse Distanz hat.
Was sind Ihre größten Stärken?
Eine gewisse Ruhe und Gelassenheit, wenn es hektisch wird, dass ich
keine übereilten Entscheidungen treffe. Ich halte mich auch für gut
organisiert und strukturiert, was in meinem Job weiterhilft und ich
denke, ich kann gut zuhören.
Was sind Ihre größten Schwächen?
Ich esse zu viel Schokolade, als Stressbewältigung… Und dass ich
wahrscheinlich manchmal zu viel Arbeit mit nach Hause nehme, statt
sie hier zu lassen. Ich würde mir wünschen, manchmal noch
konsequenter abzuschalten und nach 18:00 Uhr keine E-Mails mehr zu
lesen, über die man sich den restlichen Abend eh nur ärgert…
Welchen anderen Entscheider würden Sie gern näher kennenlernen?
Ich würde sagen Barack Obama.
Was würden Sie ihn fragen?
Wie man es schafft, mit so einem stressigen Job schafft umzugehen
und da heil wieder herauszukommen.
Was denken Sie über Personalräte?
Sie sind extrem wichtig, da das Personal eine Vertretung hat, weil
es eben ein Gegengewicht zur Schulleitung darstellt. Manchmal ist
es auch so, dass die Gespräche auch die Blickwinkel und
Perspektiven etwas zurechtrücken, wenn man irgendwelche
hochfliegenden Pläne hat und dann nochmal einen „Realitycheck“
bekommt. Das ist definitiv notwendig, aber es ist wichtig, dass es
eben konstruktiv passiert, in einem netten Ton und das ist hier am
Athe auf jeden Fall der Fall.
Wann haben Sie zuletzt einen Fehler gemacht?
Heute wahrscheinlich, ich mache täglich Fehler jeglicher Art, mal
größere, mal kleinere, das reicht, wenn ich die Unterschrift aus
Versehen auf die falsche Seite geschrieben habe oder einen
Rechtschreibfehler an der Tafel mache. Es hängt immer von der Art
der Fehler ab, aber gravierende Fehler mache ich selten, letztlich
macht man ständig Fehler, das schließt Schulleiter natürlich auch
ein.
Wie viele Stunden schlafen Sie (pro Nacht)?
Im Schnitt zwischen sechs und sieben Stunden.
Wie gehen Sie mit Stress um?
Für mich ist der Sport sehr wichtig, also probiere ich meine
sportlichen Aktivitäten aufrecht zu erhalten, um den Stress
auszugleichen.
Wie kommunizieren Sie?
Es gibt eine Lehrergruppe auf Athenetz, über die ich alle
Lehrkräfte erreichen kann, aber es gibt natürlich auch noch
wöchentliche Pausendienstversammlungen, große Dienstbesprechungen
und sonst führe ich direkte Gespräche mit einzelnen Personen, was
mir auch lieber ist als über den Schriftverkehr, um zum Beispiel
Missverständnisse zu vermeiden.
Wie viel Zeit verbringen Sie an Ihrem Schreibtisch?
Das hängt immer von den Terminen des Tages ab, aber in der Regel
bin ich morgens um sieben in der Schule und normalerweise, wenn
nichts anderes anliegt, was aber relativ selten ist, bin ich so
gegen halb fünf zu Hause. Aber ich sitze nicht die ganze Zeit
permanent am Schreibtisch, sondern bin auch viel am herumlaufen,
wenn ich mir Leute angucke oder mit jemandem sprechen muss oder ich
selber Unterricht habe. Aber es kommen auch noch andere Termine
dazu, es sind schon immer recht lange Tage.
Wenn Sie anderen Menschen nur einen Rat für ihren beruflichen
Werdegang geben dürften, welcher wäre das?
Macht das, wozu ihr Lust habt, nicht was den größten Erfolg oder
das meiste Geld verspricht, sondern das, woran man Spaß hat.
Und zum Schluss: Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Dass ich gerne hier am Athenaeum bin und ich die letzten eineinhalb
Jahre sehr genossen habe und hoffe, dass das so weitergeht.
Und das sagt Herr Niestroj über…:
…den jetzigen Abiturjahrgang?
Ich gehe momentan in die Tutorate und gucke mir die Schülerinnen
und Schüler alle an, das ich sie zumindest einmal gesehen habe,
hole mir auch die ein oder andere Rückmeldung von den Tutoren.
Außerdem habe ich im Moment selber einen 12er-Kurs, von daher bin
ich auch unterrichtend tätig, was ich auch immer ganz schön finde,
wenn man selbst auch am Puls der Zeit ist und mitbekommt, was sie
so vorhaben. Ich habe den Jahrgang bis jetzt als sehr sympathischen
und netten Jahrgang wahrgenommen, daran ändern auch der Chaotentag
und die Mottowoche nichts.
…Handynutzung in der Schule?
Ich stehe zur Hausordnung, die eindeutig sagt, dass Handynutzung
nicht sein darf und ich halte es auch für sinnvoll. Ich finde es
wichtig, dass man vernünftig miteinander kommuniziert und zwar
verbal und nicht über eine Maschine und ich denke, dass alle in der
Freizeit und zu Hause oft genug am Handy sind, sodass man sich hier
nicht vom einen Flur zum anderen eine Whats App schicken muss. Sie
werden eben auch oft genutzt, um damit Missbrauch zu betreiben, es
gibt natürlich auch Vorteile, aber die Nachteile überwiegen für
mich mehr.
…den Umgang der Schülerinnen und Schüler untereinander?
Ist glaube ich im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Athe ist eine
große Schule mit vielen verschiedenen Jahrgängen, mit vielen
verschiedenen Charakteren innerhalb einer Klasse und eines
Jahrgangs, dass es da mal zu Reibereien kommt und dass man sich
auch mal nicht versteht, kommt immer mal wieder vor. Es gibt auch
immer wieder Fälle, bei denen von Mobbing gesprochen wird, ob das
letztendlich wirklich Mobbing ist, sei dann immer nochmal
dahingestellt. Es kommen auch mal Sachen, die bei mir hier
auflaufen, aber ich glaube, es ist vergleichsweise wirklich wenig
und insgesamt denke ich, stimmt die Atmosphäre. Was ich eben schön
finde ist, dass trotz aller Unterschiede, die meisten auch nicht
ganz ungerne hier an dieser Schule sind und sich auch durchaus als
Athenaer sehen, also das kommt zumindest immer so zurück.
…das aktuelle Kollegium?
Ich bin rundum zufrieden, es ist eine gute Mischung aus erfahrenden
und jetzt auch vielen neuen, jüngeren Kolleginnen und Kollegen, das
wird sicherlich in den nächsten Jahren so weitergehen. Was momentan
das Kollegium und mich sehr stört, sind die vielen Abordnungen, die
wir haben. Wir haben fast fünfundzwanzig Kollegen, die zwischen
vier und zehn Stunden an anderen Schulen sind und das ist wirklich
schlecht, wenn man miteinander reden will, wenn sich die Kollegen
absprechen wollen, weil sie ständig unterwegs sind. Die meisten
sind zwar nur zur Realschule oder zur Hauptschule abgeordnet, aber
auch das sind Wege, die dann die Pausen verschwinden lassen, das
ist ärgerlich und belastet das Kollegium momentan sehr.
…den Bau des neuen Schulgebäudes?
Wir begrüßen das sehr und sind auch dem Landkreis sehr dankbar. Der
Bau sollte ursprünglich gar nicht so groß werden, eigentlich
sollten es nur drei Klassenräume werden, jetzt werden aber sechs
große neue Räume entstehen und das macht natürlich den Campus etwas
runder und schließt den Pausenhof ab.
…weitere zukünftige Baumaßnahmen am Athenaeum?
Es muss noch reichlich gemacht werden. Sobald der Neubau steht,
wird der komplette Altbau saniert, insbesondere in den
Seitenflügeln wird sich viel verändern, da wird auch versucht,
größere Klassenräume zu schaffen. Auch das Lehrerzimmer wird
komplett neu gemacht, da es viel zu klein ist. Anlass dafür ist
aber eigentlich, dass es neue Verordnungen zum Brandschutz gibt und
der Altbau diesen Vorgaben nicht mehr entspricht und dem
entsprechend müssen einige Sachen angepasst werden.
…das neue Digitalpaket der Bundesregierung?
Es wird relativ bald in allen Klassen WLAN geben und der Landkreis
möchte gerne, dass die Gymnasien Tablets anschaffen, aber dafür
muss eben erstmal das WLAN stimmen, sonst nützen einem die Tablets
nichts. Einige Dinge stehen zwar noch zur Debatte, aber
grundsätzlich ist es etwas Sinnvolles und Positives, wird
allerdings noch einige Zeit dauern.
…Respekt, Gleichberechtigung und Mobbing im Schulleben?
Ich finde, dass Respekt zwischen allen, die am Schulleben beteiligt
sind, also zwischen den Schülern, zwischen Lehrkräften und
Schülern, aber auch zwischen Eltern und Lehrkräften, sehr wichtig
ist. Aber grundsätzlich ist es bei uns kein riesen Problem,
natürlich gibt es immer mal Ausnahmen, wo es an der ein oder
anderen Stelle hapert und da schließe ich an der Stelle Lehrkräfte
mit ein, aber im Großen und Ganzen wird hier schon nach den
Prinzipien verfahren.
…seine Arbeit als Schulleiter?
Ich bin gerne Schulleiter und mache die Arbeit auch sehr gern.
…seine größte Sorge am Athenaeum?
Ich habe eigentlich keine größte Sorge, mehrere kleine, aber keine
große.
…den schönsten Augenblick eines Arbeitstages?
Wenn ich durch die Schule laufe und mich die Schüler grüßen, weil
ich es schön finde, dass sie einen als Schulleiter kennen und
wissen, wer man ist. Das reißt dann manchmal den ganzen Tag raus,
auch wenn ich die Schüler in dem Moment nicht unbedingt persönlich
und mit Namen kenne, finde ich es toll, weil unsere Schüler fast
immer nett und höflich sind.
…die Jugendreporter?
Ich finde das toll und begrüße das sehr, dass Herr Mathews das
aufgenommen und aufgegriffen hat und ich hoffe, dass das auch so
weitergeht. Die Beiträge auf der Homepage finde ich wahnsinnig
spannend und es sind immer nette Themen, die sehr informativ sind.
Es kommt ständig etwas Neues dazu und das finde ich sehr schön,
macht da auf jeden Fall so weiter!
„Macht das, wozu ihr Lust habt“
von Leah Engelke und Janne Ingwersen



