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  1. 2019

„Macht das, wozu ihr Lust habt“

 von Leah Engelke und Janne Ingwersen

Mit einem freundlichen Lächeln wurden wir von Herrn Niestroj in seinem Büro empfangen. mehr als eine Stunde nahm sich der Schulleiter für unsere Fragen Zeit und eröffnet damit eine neue Rubrik unserer Jugendreporter, die sich „Thema“ nennt. In dieser Rubrik äußert sich der Gesprächspartner noch über aktuell wichtige Dinge. Der leidenschaftliche Fußballfan Niestroj ist seit 2017 Oberhaupt unserer Schule und somit hat er auch schon die eine oder andere spannende Erfahrung gemacht. Als zweifacher Familienvater hat er eine Menge Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, weshalb er seine Arbeit als Schulleiter mit großer Freude bewältigt. Auch wenn es manchmal zeitaufwendig ist, kommt er jeden Morgen mit einem Lächeln im Gesicht in die Schule, um die Angelegenheiten des Athenaeums zu managen. „Ich wollte immer Lehrer werden, seit ich Berufsziele hatte, also mit etwa 15 Jahren. Damals hatte ich einen ganz tollen Englischlehrer, der mich insbesondere in seinem Fach begeistert hat und ab da wusste ich: Es kann nur Lehrer sein“, erzählte uns Herr Niestroj und gab auch auf alle anderen Fragen offen Antwort.

Was war der beste Rat Ihrer Eltern?
„Ruhig bleiben und seine Arbeit machen.“

Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?
Der eine Englischlehrer, den ich in der 5. Klasse hatte auf jeden Fall, aber ich bewundere auch Martin Luther King, weil er sich auf seine gewaltfreie Art für die Gleichberechtigung eingesetzt hat und das finde ich sehr bewundernswert.

Was haben Ihre Lehrer über Sie gesagt?

„Du bist zu still im Unterricht.“

Wann und warum haben Sie sich für den Beruf entschieden, den Sie heute machen?
Mit dem Abitur war das eigentlich klar.

Wer waren Ihre wichtigsten Unterstützer?

Auf jeden Fall meine Eltern, damit meine Brüder und ich studieren konnten, haben sie viele Opfer auf sich genommen für die damalige Zeit, aber für den letzten Schritt zum Schulleiter auch noch die ehemalige Schulleiterin vom Vincent-Lübeck Gymnasium, sie hat mir viel beigebracht und mich auf den Job vorbereitet. Sehr dankbar bin ich auch Herrn Sandrock, da er es geschafft hat, mich von der Orientierungsstufe hier aufs Athenaeum zu holen, weil ich da unbedingt weg wollte.

Auf wen hören Sie?
Auf meine innere Stimme, meinen gesunden Menschenverstand und zunächst auf viele, die mich hier beraten, also erstmal viele Meinungen anhören und dann Entscheidungen treffen.

Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?
Nicht nicht kommunizieren.

Was sind Eigenschaften, die Sie an Ihren Chefs bewundert haben?
Strukturiertheit in der Arbeit, Transparenz, dass es keine Geheimniskrämerei gibt und klare Entscheidungen, die nachvollziehbar waren und man wusste, wo sie her kamen, das finde ich sehr wichtig.

Was sind die Prinzipien Ihres Führungsstils?

Transparenz und Kommunikation stehen eigentlich über allem.

Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?
Es ist schön, wenn man sich keine Sorgen machen muss, aber es ist kein Wert der besonders wichtig ist.

Was erwarten Sie von Ihren Kollegen?
Ich möchte, dass man die Meinung ehrlich sagt, dass mit mir gesprochen wird, wenn es Probleme gibt, dass man sich auch Rat holt, wenn man diesen braucht und natürlich ein netter, freundlicher Umgangston, was hier aber alles ziemlich rund läuft.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen?

Wichtig ist, dass sie vom Typ her ins Kollegium passen, dass ich den Eindruck habe, dass sie auch Willens sind etwas zu bewegen, dass sie eine gewisse Motivation mitbringen und natürlich fachlich auch geeignet sind. Die Bewerber müssen nicht alle eine 1+ als Vornote mitbringen, was zwar schön ist, aber es muss einfach menschlich passen.

Duzen oder siezen Sie die Kollegen?
Auf der Schulleitungsebene duzen wir uns alle, aber mit den Kollegen ist es unterschiedlich. Die, die ich noch kenne, als ich hier vor zehn Jahren als Lehrer gearbeitet habe, duze ich auch weiterhin, bei den anderen finde ich es schon okay, wenn man eine gewisse Distanz hat.

Was sind Ihre größten Stärken?
Eine gewisse Ruhe und Gelassenheit, wenn es hektisch wird, dass ich keine übereilten Entscheidungen treffe. Ich halte mich auch für gut organisiert und strukturiert, was in meinem Job weiterhilft und ich denke, ich kann gut zuhören.

Was sind Ihre größten Schwächen?
Ich esse zu viel Schokolade, als Stressbewältigung… Und dass ich wahrscheinlich manchmal zu viel Arbeit mit nach Hause nehme, statt sie hier zu lassen. Ich würde mir wünschen, manchmal noch konsequenter abzuschalten und nach 18:00 Uhr keine E-Mails mehr zu lesen, über die man sich den restlichen Abend eh nur ärgert…

Welchen anderen Entscheider würden Sie gern näher kennenlernen?
Ich würde sagen Barack Obama.

Was würden Sie ihn fragen?
Wie man es schafft, mit so einem stressigen Job schafft umzugehen und da heil wieder herauszukommen.

Was denken Sie über Personalräte?
Sie sind extrem wichtig, da das Personal eine Vertretung hat, weil es eben ein Gegengewicht zur Schulleitung darstellt. Manchmal ist es auch so, dass die Gespräche auch die Blickwinkel und Perspektiven etwas zurechtrücken, wenn man irgendwelche hochfliegenden Pläne hat und dann nochmal einen „Realitycheck“ bekommt. Das ist definitiv notwendig, aber es ist wichtig, dass es eben konstruktiv passiert, in einem netten Ton und das ist hier am Athe auf jeden Fall der Fall.

Wann haben Sie zuletzt einen Fehler gemacht?
Heute wahrscheinlich, ich mache täglich Fehler jeglicher Art, mal größere, mal kleinere, das reicht, wenn ich die Unterschrift aus Versehen auf die falsche Seite geschrieben habe oder einen Rechtschreibfehler an der Tafel mache. Es hängt immer von der Art der Fehler ab, aber gravierende Fehler mache ich selten, letztlich macht man ständig Fehler, das schließt Schulleiter natürlich auch ein.

Wie viele Stunden schlafen Sie (pro Nacht)?

Im Schnitt zwischen sechs und sieben Stunden.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Für mich ist der Sport sehr wichtig, also probiere ich meine sportlichen Aktivitäten aufrecht zu erhalten, um den Stress auszugleichen.

Wie kommunizieren Sie?

Es gibt eine Lehrergruppe auf Athenetz, über die ich alle Lehrkräfte erreichen kann, aber es gibt natürlich auch noch wöchentliche Pausendienstversammlungen, große Dienstbesprechungen und sonst führe ich direkte Gespräche mit einzelnen Personen, was mir auch lieber ist als über den Schriftverkehr, um zum Beispiel Missverständnisse zu vermeiden.

Wie viel Zeit verbringen Sie an Ihrem Schreibtisch?

Das hängt immer von den Terminen des Tages ab, aber in der Regel bin ich morgens um sieben in der Schule und normalerweise, wenn nichts anderes anliegt, was aber relativ selten ist, bin ich so gegen halb fünf zu Hause. Aber ich sitze nicht die ganze Zeit permanent am Schreibtisch, sondern bin auch viel am herumlaufen, wenn ich mir Leute angucke oder mit jemandem sprechen muss oder ich selber Unterricht habe. Aber es kommen auch noch andere Termine dazu, es sind schon immer recht lange Tage.

Wenn Sie anderen Menschen nur einen Rat für ihren beruflichen Werdegang geben dürften, welcher wäre das?

Macht das, wozu ihr Lust habt, nicht was den größten Erfolg oder das meiste Geld verspricht, sondern das, woran man Spaß hat.

Und zum Schluss: Was wollten Sie schon immer mal sagen?

Dass ich gerne hier am Athenaeum bin und ich die letzten eineinhalb Jahre sehr genossen habe und hoffe, dass das so weitergeht.

Und das sagt Herr Niestroj über…:

…den jetzigen Abiturjahrgang?
Ich gehe momentan in die Tutorate und gucke mir die Schülerinnen und Schüler alle an, das ich sie zumindest einmal gesehen habe, hole mir auch die ein oder andere Rückmeldung von den Tutoren. Außerdem habe ich im Moment selber einen 12er-Kurs, von daher bin ich auch unterrichtend tätig, was ich auch immer ganz schön finde, wenn man selbst auch am Puls der Zeit ist und mitbekommt, was sie so vorhaben. Ich habe den Jahrgang bis jetzt als sehr sympathischen und netten Jahrgang wahrgenommen, daran ändern auch der Chaotentag und die Mottowoche nichts.

…Handynutzung in der Schule?

Ich stehe zur Hausordnung, die eindeutig sagt, dass Handynutzung nicht sein darf und ich halte es auch für sinnvoll. Ich finde es wichtig, dass man vernünftig miteinander kommuniziert und zwar verbal und nicht über eine Maschine und ich denke, dass alle in der Freizeit und zu Hause oft genug am Handy sind, sodass man sich hier nicht vom einen Flur zum anderen eine Whats App schicken muss. Sie werden eben auch oft genutzt, um damit Missbrauch zu betreiben, es gibt natürlich auch Vorteile, aber die Nachteile überwiegen für mich mehr.

…den Umgang der Schülerinnen und Schüler untereinander?

Ist glaube ich im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Athe ist eine große Schule mit vielen verschiedenen Jahrgängen, mit vielen verschiedenen Charakteren innerhalb einer Klasse und eines Jahrgangs, dass es da mal zu Reibereien kommt und dass man sich auch mal nicht versteht, kommt immer mal wieder vor. Es gibt auch immer wieder Fälle, bei denen von Mobbing gesprochen wird, ob das letztendlich wirklich Mobbing ist, sei dann immer nochmal dahingestellt. Es kommen auch mal Sachen, die bei mir hier auflaufen, aber ich glaube, es ist vergleichsweise wirklich wenig und insgesamt denke ich, stimmt die Atmosphäre. Was ich eben schön finde ist, dass trotz aller Unterschiede, die meisten auch nicht ganz ungerne hier an dieser Schule sind und sich auch durchaus als Athenaer sehen, also das kommt zumindest immer so zurück.

…das aktuelle Kollegium?

Ich bin rundum zufrieden, es ist eine gute Mischung aus erfahrenden und jetzt auch vielen neuen, jüngeren Kolleginnen und Kollegen, das wird sicherlich in den nächsten Jahren so weitergehen. Was momentan das Kollegium und mich sehr stört, sind die vielen Abordnungen, die wir haben. Wir haben fast fünfundzwanzig Kollegen, die zwischen vier und zehn Stunden an anderen Schulen sind und das ist wirklich schlecht, wenn man miteinander reden will, wenn sich die Kollegen absprechen wollen, weil sie ständig unterwegs sind. Die meisten sind zwar nur zur Realschule oder zur Hauptschule abgeordnet, aber auch das sind Wege, die dann die Pausen verschwinden lassen, das ist ärgerlich und belastet das Kollegium momentan sehr.

…den Bau des neuen Schulgebäudes?

Wir begrüßen das sehr und sind auch dem Landkreis sehr dankbar. Der Bau sollte ursprünglich gar nicht so groß werden, eigentlich sollten es nur drei Klassenräume werden, jetzt werden aber sechs große neue Räume entstehen und das macht natürlich den Campus etwas runder und schließt den Pausenhof ab.

…weitere zukünftige Baumaßnahmen am Athenaeum?

Es muss noch reichlich gemacht werden. Sobald der Neubau steht, wird der komplette Altbau saniert, insbesondere in den Seitenflügeln wird sich viel verändern, da wird auch versucht, größere Klassenräume zu schaffen. Auch das Lehrerzimmer wird komplett neu gemacht, da es viel zu klein ist. Anlass dafür ist aber eigentlich, dass es neue Verordnungen zum Brandschutz gibt und der Altbau diesen Vorgaben nicht mehr entspricht und dem entsprechend müssen einige Sachen angepasst werden.

…das neue Digitalpaket der Bundesregierung?

Es wird relativ bald in allen Klassen WLAN geben und der Landkreis möchte gerne, dass die Gymnasien Tablets anschaffen, aber dafür muss eben erstmal das WLAN stimmen, sonst nützen einem die Tablets nichts. Einige Dinge stehen zwar noch zur Debatte, aber grundsätzlich ist es etwas Sinnvolles und Positives, wird allerdings noch einige Zeit dauern.

…Respekt, Gleichberechtigung und Mobbing im Schulleben?
Ich finde, dass Respekt zwischen allen, die am Schulleben beteiligt sind, also zwischen den Schülern, zwischen Lehrkräften und Schülern, aber auch zwischen Eltern und Lehrkräften, sehr wichtig ist. Aber grundsätzlich ist es bei uns kein riesen Problem, natürlich gibt es immer mal Ausnahmen, wo es an der ein oder anderen Stelle hapert und da schließe ich an der Stelle Lehrkräfte mit ein, aber im Großen und Ganzen wird hier schon nach den Prinzipien verfahren.

…seine Arbeit als Schulleiter?
Ich bin gerne Schulleiter und mache die Arbeit auch sehr gern.

…seine größte Sorge am Athenaeum?
Ich habe eigentlich keine größte Sorge, mehrere kleine, aber keine große.

…den schönsten Augenblick eines Arbeitstages?

Wenn ich durch die Schule laufe und mich die Schüler grüßen, weil ich es schön finde, dass sie einen als Schulleiter kennen und wissen, wer man ist. Das reißt dann manchmal den ganzen Tag raus, auch wenn ich die Schüler in dem Moment nicht unbedingt persönlich und mit Namen kenne, finde ich es toll, weil unsere Schüler fast immer nett und höflich sind.

…die Jugendreporter?
Ich finde das toll und begrüße das sehr, dass Herr Mathews das aufgenommen und aufgegriffen hat und ich hoffe, dass das auch so weitergeht. Die Beiträge auf der Homepage finde ich wahnsinnig spannend und es sind immer nette Themen, die sehr informativ sind. Es kommt ständig etwas Neues dazu und das finde ich sehr schön, macht da auf jeden Fall so weiter!

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