Wer sich mit Geschichte beschäftigt, erweitert seinen Raum- und Zeithorizont
von Jasper Buchweitz

Sicher haben schon einige von euch schon einmal von der
Geschichts-AG gehört oder ihr habt euch schon gedacht, dass es eine
Geschichts-AG sicher gibt, weil die zu jeder guten Schule gehört.
Aber habt ihr gewusst, dass es auch einen sehr großen
Geschichtswettbewerb gibt, mit dem die AG sehr eng verbunden ist?
Es ist der Geschichts-Wettbewerb des Bundespräsidenten, der alle
zwei Jahre veranstaltet wird.
Wie muss man sich nun die Projekte der AG denn vorstellen? Und wie
funktioniert der Austausch zwischen jenen Teilnehmern, in der AG
dabei sind und gleichzeitig der, die einfach an dem Wettbewerb
teilnehmen?
Herr Röder, einer der Leiter der Geschichts-AG am Athe, hat mir auf
meine Fragen geantwortet und gab wichtiges Vorwissen, zum Beispiel
für all diejenigen, die sich überlegen wollen, vielleicht auch mal
teilzunehmen. Und natürlich auch für alle anderen.
Die Geschichts-AG wurde vor allem von Frau von Plato und Herrn
Röder gegründet, um Schüler*innen in ihrer Arbeit für den
Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu unterstützen. Dieser
Wettbewerb findet immer alle zwei Jahre statt, jeweils von
September bis Ende Februar. Es wird ein allgemeines Rahmenthema
vorgegeben (dieses Jahr: Krise, Umbruch und Aufbruch in der
Geschichte). Alle Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 21
können an dem Wettbewerb teilnehmen, manche machen das für sich
allein auch ohne AG, manche arbeiten zu zweit oder in einer Gruppe.
Theoretisch kann auch eine ganze Klasse oder ein ganzer Kurs einen
Wettbewerbsbeitrag abliefern, ob eine Art Aufsatz, ein Spiel, einen
Filmbeitrag, ein Interview etc. - der Kreativität sind keine
Grenzen gesetzt. Voraussetzung ist lediglich, dass es etwas mit
Geschichte aus der eigenen Region oder der eigenen Familie zu tun
hat - und dass sich das Ganze nicht mehr in der Lebenszeit der
Teilnehmer zugetragen hat. Dieses Mal hat die Geschichts-AG vier
Beiträge betreut, es geht zum Beispiel um die Geschichte des
Urgroßvaters eines Schülers, der im deutschen Kaiserreich nach
China in die damalige deutsche Kolonie Tshingtau ging, um die
Veränderungen der Landwirtschaft in Dollern, um die Zeugen Jehovas
in Stade zur Zeit des Nationalsozialismus und um einen
Stadtrundgang zum Stader Stadtbrand von 1659. Es sind (und sollen
sein) wirkliche kleine Forschungsarbeiten und auch für die
Lehrenden ist es immer wieder neu spannend, da sich die Themen
immer wieder ändern und gerade weil sie so regionalspezifisch sind
so natürlich auch nicht einfach in Geschichtsschulbüchern stehen.
Es werden Interviews geführt, die Schüler*innen gehen ins Stadt-
und Staatsarchiv, fotografieren alte Gebäude und versuchen so die
vielleicht schon aus ihrem Geschichtsunterricht bekannte allgemeine
Geschichte neu mit ihrer eigenen Regional- und Familiengeschichte
zu verknüpfen. Das ist oft sehr spannend, aber es ist auch eine
Menge Organisation und Selbstdisziplin gefragt, um bis Ende Februar
zu einem guten Resultat zu kommen!
Der Wettbewerb wird nicht von der Schule, sondern bundesweit
ausgetragen. Es gibt Förder- und Landespreise. Wer auf Landesebene
weiterkommt, kann sogar einen Bundespreis bekommen und dadurch den
Bundespräsidenten in Berlin kennenlernen. Einmal wurde der
Bundespreis auch schon an einen Schüler vom Athe vor ein paar
Jahren verliehen. Jeder, der teilnimmt, bekommt auf jeden Fall eine
Urkunde, ansonsten winken auch Geldpreise und die Zulassung zu
Förderungsprogrammen und Stipendien und man kann sich weiter mit
Geschichte beschäftigen.
Geschichte bedeutet immer gefilterte Fragen an die Vergangenheit
aus einer bestimmten Gegenwartssituation heraus zu stellen. Es ist
ein großes Missverständnis, dass sich "Geschichte" nur mit
Vergangenem beschäftigt. Ganz im Gegenteil: Wer sich mit Geschichte
beschäftigt, erweitert seinen Zeit- und Raumhorizont und findet
auch viel über sich und seinen Standort in der Welt zwischen
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heraus. Der Wettbewerb und
auch die Geschichts-AG können dieses Bewusstsein vielleicht noch
deutlicher zu Tage treten lassen, als es eventuell der "normale"
Geschichtsunterricht kann.
Und das Beste kommt zum Schluss: Unsere Schule hatte zwei Gruppen
beim diesjährigen Wettbewerb, die erfolgreich waren:
Josefine Wiens und Katharina Wenk haben mit einer Arbeit zur
Geschichte Dollerns einen Förderpreis gewonnen und Niklas Wist hat
sogar einen Landespreis zur Geschichte seines Urgroßvaters
gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!
PS: Nun sind Die SchülerInnen sind mit den Arbeiten für den
Geschichtswettbewerb fertig und die AG pausiert, da sie speziell
für den Wettbewerb ins Leben gerufen wurde. Sie wird eventuell nach
den Sommerferien, spätestens aber wieder das Jahr danach starten,
wenn der nächste Wettbewerb startet.


