ZWISCHEN MALALA UND GRETA – MEINE ALTERSWEISE ZUKUNFTSVISION
von Peter Schütt (nach seinem diamantenen Klassentreffen am Athe)
Vor sechzig Jahren habe ich am Athenaeum
in Stade mein Abitur gemacht –
Grund genug für ein diamantenes Klassentreffen all derer,
die noch am Leben und halbwegs gut zu Fuß sind.
Auf dem Programm steht auch ein Besuch
in unserer altehrwürdigen Schule.
In unserem ehemaligen Klassenzimmer
gleich neben der brausenden Orgel der Aula
stehe ich den Schülerinnen und Schülern
einer neunten Klasse Rede und Antwort.
Was ist für Sie der größte Unterschied zu damals?
Werde ich gefragt. Früher war das Athe
eine reine Jungenschule,
eine strenge Knabenzuchtanstalt, und heute,
so scheint es mir, gibt es hier mehr Mädchen als Jungen.
Wie stellen Sie sich unsere Zukunft vor?
Ich bin, erkläre ich der Klassensprecherin,
voller Optimismus. Und worauf gründen Sie
Ihre gute Hoffnung?
Sie haben an Ihrer Pinnwand zwei Poster aufgehängt.
Das eine zeigt Malala, die in Pakistan mit Leib und Seele
für das Recht auf Bildung streitet, und das andere Poster
zeigt Greta aus Schweden, die mit Kopf und Bauch
gegen die Überhitzung unserer Erde kämpft.
Die beiden jungen Frauen sind für mich
die Hoffnungsträgerinnen für eine bessere Zukunft.
Die Zukunft ist weiblich. Sie heißt Frauenpower,
heißt Bildung, heißt Ehrfurcht
vor Gottes Schöpfung!
Ich höre und staune. Beifall brandet auf
wie früher höchstens bei der Ausrufung einer Freistunde.
Ich werde um ein Foto gebeten
und passenderweise vor die Pinnwand gestellt.
Eingerahmt zwischen zwei Ikonen
des jugendlich weiblichen Aufbegehrens
spiele ich gern die mir zugesprochene Rolle
des alterswachen Kulturrevolutionärs.


