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  1. 2019

Nachgedacht über: Digital Detox – Möglich oder der größte Albtraum?

Text und Bilder von Leah Engelke

Man will eigentlich nur kurz etwas für die Hausaufgaben googeln oder dem Freund kurz antworten und wenn man schon mal dabei ist kann man ja eben noch die neusten Posts auf Instagram abchecken oder das Video vom Lieblingsyoutuber anschauen, so vergisst man was man eigentlich wollte und lässt darüber die Zeit vergehen oder verdrängt es kurzerhand, die Hausaufgaben kann man ja später noch machen und das Lernen kann auch warten. Ich denke, jeder war schon einige Male in dieser Situation, was ja eher nicht erstrebenswert ist, denn so passiert es immer wieder, dass man stundenlang vor dem Handy sitzt und sich anschaut, was andere Leute treiben oder was in der Welt los ist. So vernachlässigt man die wichtigen Dinge im Leben und verschwendet wertvolle Zeit. Das Benutzen des Handys wird zur Übersprungshandlung, es wird ein Reflex aus, zum Beispiel Langeweile, zum Gerät zu greifen. Bei den meisten Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, entwickelt sich so langsam eine Sucht, ein Leben ohne Handy ist undenkbar, wie soll es auch funktionieren? Es ist im Großteil der Fälle unmöglich erreichbar zu sein, wenn man kein Handy dabei hat. Für viele ist der ständige Druck etwas zu verpassen ebenfalls zu groß, um es einfach mal zur Seite zu legen, obwohl das vielen manchmal sehr gut tun würde.

Ich selbst kenne diese Situation und Probleme nur zu gut, wenn es ganz schlecht läuft, schraubt sich mein Handykonsum zum Beispiel am Wochenende oder in den Ferien bis zu sechs Stunden hoch, was natürlich alles andere als gut ist. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren und mir darüber klar zu werden, wie gebunden wir wirklich an die Geräte sind, aber vor allem auch zu schauen, ob ein Leben ohne Handy in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch möglich ist, habe ich ein Digital Detox gestartet, umso einige Tage auf mein Handy verzichten zu müssen.

Es ist schon komisch, das Handy nicht benutzen zu dürfen, da nach dem Aufstehen der Griff meist automatisch zum Telefon geht, um erst mal WhatsApp, Instagram, Snapchat, usw. abzuchecken. Schon nach einem Tag merke ich mehr als deutlich, was für eine wichtige Rolle dieses Gerät in meinem Alltag spielt und wie viel Zeit es beansprucht beziehungsweise wie viel wertvolle Zeit man verschwendet. Es fühlt sich an, als wäre man komplett von der Welt abgeschnitten, weil man nicht erreichbar ist. Gerade der Verzicht auf die sozialen Netzwerke ist hart, da die meisten Leute, mich eingeschlossen, diese am meisten konsumieren. Es übt einen relativ großen Druck auf einen aus, alles zu verpassen, was nur bestätigt, was für einen extrem großen Einfluss die Telefone auf uns haben. Handys halten uns immer auf dem neusten Stand, machen uns erreichbar, erleichtern den Alltag erheblich, lassen uns in Sekundenschnelle etwas im Internet herausfinden...Allerdings merke ich auch deutlich die positiven Aspekte an dem Experiment. Ich habe alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte und habe mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Ich konnte mich außerdem viel besser auf gewisse Sachen konzentrieren, bei denen ich sonst oft ziemlich schnell von meinem Handy abgelenkt wurde und war deutlich produktiver als sonst, da sich die Tage auch viel länger angefühlt haben. Man nimmt seine Umwelt und Mitmenschen insgesamt einfach besser wahr, fühlt sich freier und unbeschwerter. Der Drang, zum Handy zu greifen, ist natürlich immer noch da, aber das Positive überwiegt eindeutig in jeglicher Hinsicht. Ich habe das Experiment nach vier Tagen beendet und war danach auch konsequenter in der Nutzung des Gerätes, trotzdem ist mein Konsum gerade in den Ferien wieder sehr stark angestiegen, was ich auf jeden Fall wieder ändern will, weshalb ich definitiv nochmal ein Digital Detox machen werde.

Denn gerade Soziale Netzwerke haben nicht unbedingt einen positiven Einfluss auf uns. Einem wird eine perfekte Welt vorgespielt, in der perfekt aussehende Menschen ihr Leben mit der Welt teilen, was nun mal oft dazu führt, dass man sich mit diesen Leuten vergleicht und feststellt, dass das eigene Leben viel schlechter, man selbst viel hässlicher ist und man es einfach nicht so gut hat wie andere Personen. Das schadet enorm dem Selbstwertgefühl, man fühlt sich wertloser, schlechter, etc., weil es ja anscheinend alle besser haben als man selbst, nur vergisst man darüber hinaus oft, dass Influencer und Personen des öffentlichen Lebens eben auch nur ganz normale Menschen sind, mit ganz normalen Problemen, die jeder von uns hat. In der heutigen Gesellschaft kann man so viel übers Internet faken und vorspielen, was die meisten nur leider immer wieder vergessen. Trotzdem verbringen tausende Menschen täglich mehrere Stunden auf zum Beispiel Instagram, Facebook und YouTube. Ein Verzicht erscheint fast unmöglich und das Handy ganz wegzupacken ist sowieso undenkbar, obwohl es nun mal in den meisten Fällen ein reiner Zeitfresser ist. Sich alleine darüber klar zu werden, ist ein Anfang, man kann das Handykonsum immer weiter reduzieren und das Gerät vor allem bewusst nutzen und nicht aus Langeweile oder um wichtigen Aufgaben aus dem Weg zu gehen. Denn wir merken gar nicht wie sehr uns Handys steuern und unser Leben bestimmen beziehungsweise, wie wir unser Leben immer mehr nach ihnen richten, obwohl sie uns nur wertvolle Lebenszeit rauben.

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