Es gibt sicher einige Schülerinnen und Schüler hier bei uns an der
Schule, die gemobbt werden oder wurden. Auch an mir ging das Thema
nicht vorbei, denn auch ich wurde gemobbt. Es hat mich viel
Überwindung gekostet, diesen Artikel zu schreiben. Ich hatte Angst
vor den Konsequenzen, die dieser Artikel mit sich ziehen könnte.
Doch mit der Hilfe meiner Mutter habe ich all meinen Mut
zusammengenommen und diesen Artikel verfasst. Ich werde euch in den
folgenden Zeilen von meinen Erlebnissen berichten, euch meine
Gefühle und Gedanken schildern sowie euch erzählen, wie ich aus dem
größten Ärger herausgekommen bin – und wo ihr euch Hilfe holen
könnt, wenn ihr diese benötigt. Dies ist meine
„Mobbing-Geschichte“.
Bei mir fing alles nur wenige Wochen nach der Einschulung, hier am
Athenaeum, an. Auch meine Klasse hatte so eine „wundervolle“
WhatsApp-Gruppe. Es begann damit, dass ich ein paar Mal aus der
Gruppe flog, aber ich dachte mir nichts dabei. Weiter ging es dann
damit, dass sich niemand mehr mit mir verabreden wollte, obwohl ich
mich vorher sehr oft verabredet hatte. In der Schule fingen sie
auch an, mich auszugrenzen. Das tat ziemlich weh. Ich wusste nicht,
was los war und fing an, mir Vorwürfe zu machen. Ich dachte, dass
ich nicht hübsch genug sei oder dass ich etwas falsch gemacht
hätte. Ich hatte in der Klasse noch etwa fünf Leute, die sich mit
mir „abgaben“. Klar war ich froh, sie zu haben, doch hatte ich mir
auch gewünscht, zu den anderen, quasi den „Coolen“, zu gehören.
Heute bin ich da anderer Meinung. Ich finde heute, dass man zu den
„Coolen“ gehört, wenn man echte Freunde hat, mit den man über alles
reden kann und die dich so lieben, wie du bist. Trotzdem versuchte
ich gut in der Schule mitzukommen, was mir aber durch den Stress
und die Vorwürfe sowie die Angst bei einer falschen Aussage
ausgelacht zu werden, nicht leicht viel. Zuhause, wenn meine Mutter
mich fragte, wie die Schule war und wie es läuft, antwortete ich
immer mit „alles gut“ oder „macht richtig viel Spaß“. Doch auch sie
wunderte sich langsam, warum ich mich nicht bis kaum mehr
verabredete. Sie kannte es seit dem Kindergarten von mir, dass ich
kaum Zuhause war, weil ich ständig verabredet war. Ich wollte mir
aber nichts anmerken lassen, weil ich keine ewigen Gespräche führen
wollte und Angst hatte, dass es dadurch nur schlimmer werden würde.
Am meisten traf mich damals, dass meine beste Freundin, die ich
seit der ersten Klasse hatte, sich auf einmal gegen mich stellte
und nichts mehr von mir wissen wollte. Heute kenne ich ihre Gründe
dafür, was mir hilft, sie ein wenig mehr zu verstehen, auch wenn
dies keine Entschuldigung sein kann. Viele Monate ging die Quälerei
so weiter, ohne dass ich etwas sagen wollte. Nicht nur meine
Familie bemerkte mittlerweile, dass etwas nicht stimmen kann,
sondern auch schon die Lehrer, da meine Leistungen stark
nachließen. Irgendwann erhielt meine Mutter eine Nachricht von der
Mutter meiner damaligen besten Freundin. Sie war noch in dieser
WhatsApp-Gruppe. Nun erfuhr meine Mutter, was los war. Als ich nach
Hause kam, nahm sie mich, ohne ein Wort zu sagen, in den Arm. Als
ich sie fragte, was passiert sei, antwortete sie: „Ich weiß was los
ist.“ Bevor sie mir die Nachrichten zeigte, welche sie als
Screenshot geschickt bekommen hatte, sollte ich ihr alles erzählen.
Es tat sehr gut, endlich darüber reden zu können, auch wenn ich
Angst davor hatte, was als nächstes passieren würde. Als ich zum
ersten Mal die Nachrichten gelesen hatte, fing ich an zu weinen.
Meine Mitschüler schrieben so etwas wie: „Sie ist nicht gut für
unsere Gesundheit“, „Sie sollte sterben“ oder auch „Wieso existiert
so ein Mensch?“. In den darauffolgenden Tagen setzte sich meine
Mutter in Verbindung mit unserem Klassenlehrer. Doch besser wurde
es zunächst immer noch nicht. Auch, als ich verschiedene
Therapieangebote wahrnahm und jedes Mal erzählte, dass ich mich
krank gestellt hätte, nur um nicht wieder in diese damalige Hölle
von Schule gehen zu müssen, besserte sich zunächst noch nichts. Am
Ende des ersten Halbjahres der sechsten Klasse erreichte uns dann
der Brief, dass ich versetzungsgefährdet sei. Da haben meine Mutter
und ich dann einen Entschluss getroffen. Ich habe nicht versucht,
weiterhin in dieser Klasse zu bleiben, sondern bin im zweiten
Halbjahr wieder in die fünfte Klasse gegangen. Ich wollte das
sechste Jahr wiederholen und damit ich besser den Anschluss finde,
trat ich meiner heutigen Klasse in der fünften bei. Das war eine
der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. So ein
Klassenwechsel ist die letzte Möglichkeit, zuvor finden intensive
Gespräche mit den Beratungslehrern statt, die direkt gegen das
Mobbing vorgehen. In etwa 90 Prozent der Fälle sind diese Gespräche
auch erfolgreich. Ich habe jedoch den Klassenwechsel benötigt,
welcher mit den Beratungslehrern gemeinsam vorbereitet wurde. Ich
habe Menschen kennengelernt, die mich besser behandelt haben, als
die Leute aus meiner alten Klasse. Ich ging noch einige Zeit zur
Therapie, um auch noch die letzten Dinge besser zu verarbeiten. Mir
wurden zum Beispiel auf dem Schulhof abwertende Blicke zugeworfen
oder Sprüche wie „dummer Fünftklässler“ an den Kopf geworfen. Ich
hatte nie den Mut, etwas gegen diese Menschen zu sagen.
Rückblickend muss ich sagen: Ich kann nur jedem raten, der in
dieser Situation steckt: „Lasst euch von niemandem einreden, dass
ihr nicht gut genug seid. Macht euch auch keine Vorwürfe. Ich weiß,
dass es schwer sein kann, durch diese Zeit zu gehen, aber ich kann
euch auch sagen, dass es irgendwann besser wird. Also bitte, denkt
nicht, dass es nur solche Menschen auf der Welt gibt, denn das
stimmt nicht. Es wird der Tag kommen, an dem ihr die Menschen
finden werdet, die immer für euch das sind, egal was kommt. Solche
Freunde habe ich auch gefunden. Also lasst den Kopf nicht hängen
und sucht euch Hilfe. Und an die ‚Täter‘ würde ich gerne noch ein
Wort richten. Wieso projiziert ihr eure Probleme auf andere und
mobbt sie? Woher nehmt ihr das Recht, Menschen so fertig zu machen,
dass sie sich im schlimmsten Fall sogar das Leben nehmen wollen?!
Ihr solltet euch mal in die ‚Opfer‘- Rolle versetzen, denn dann
wüsstet ihr, wie schrecklich sich das anfühlt.“
Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel nicht nur den Schülern,
sondern auch Eltern helfen konnte. Ich hätte einige Dinge im
Nachhinein gerne anders gemacht. Zum Beispiel hätte ich gerne
vorher mit jemandem darüber gesprochen oder auch gerne selber was
gesagt, wenn ich den Mut gehabt hätte. Von daher kann ich euch nur
raten, sich jemandem anzuvertrauen.
In unserer Schule wären beispielsweise unsere Beratungslehrer
Wolfram Washof und Gabriele Heimann sowie unsere Sozialarbeiterin
Lisa Jensen Anlaufstellen, die sich gerne für euch einsetzen. Das
Arbeiten mit dem bewährten „No Blame approach“, was so viel
bedeutet wie „Ansatz ohne Schuldzuweisungen“, ist ans unserer
Schule üblich und erfolgreich.
Hier könnt ihr Kontakt zu unseren Beratungslehrern aufnehmen:
http://www.athenaeum-stade.de/beratungsangebote Zögert nicht, denn
jeder Tag, an dem man Mobbing erleiden muss, ist einer zu viel.
Wer genauer wissen möchte, was Mobbing genau bedeutet und was schon
als Mobbing zählt – hier der Faktencheck:
Was ist genau Mobbing?
Mobbing ist viel mehr als nur jemanden hin und wieder hänseln, mit
jemandem raufen oder andere ärgern. Von Mobbing spricht man, wenn
jemand an einer anderen Person wiederholt und über längere Zeit
herabsetzende und ausgrenzende Handlungen verübt oder jemanden per
E-Mail, SMS oder im Netz schikaniert (sogenanntes E-Mobbing)
Und Mobbing kann übrigens auch strafbar sein:
Wer sie gegenüber der betroffenen Person selbst äußert, macht sich
der Beleidigung strafbar. Überdies ist der Tatbestand der
Verleumdung beim Mobbing häufig erfüllt. ... Der Tatbestand ist
gesetzlich in § 187 StGB geregelt.
Und selbst wenn ihr „nur“ im Internet gemobbt werdet, gibt s dafür
auch Regelungen:
Was genau bedeutet der Begriff Cybermobbing?
Unter Cyberbullying oder Cybermobbing versteht man die Beleidigung,
Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe von
Kommunikationsmedien, beispielsweise über Smartphones, E-Mails,
Websites, Foren, Chats und Communities.
Ist Cybermobbing strafbar?
Wer wider besseren Wissens in Beziehung auf einen anderen eine
unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben
verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung
herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn diese Tatsache erweislich
wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe
und, wenn die Tat öffentlich, oder durch Verbreiten von Schriften
(§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
oder mit Geldstrafe bestraft. (Quelle:
https://dejure.org/gesetze/StGB/223.html)
Nachgedacht über…: Mobbing kann jedem passieren – holt euch Hilfe!



