Astronomie-AG fotografiert Kometen Neowise
von Dr. Hans-Otto Carmesin

Abb. 1: Komet Neowise am 13.7.2020 um 0:51 Uhr über Stade
Aktuell ist der Komet Neowise über Stade mit bloßem Auge im Norden
deutlich zu sehen. Eine solche besondere Gelegenheit lassen sich
die Mitglieder der Astronomie-AG des Athenaeums Stade nicht
entgehen. So fotografierten wir den Kometen mit seinem langen
Schweif zu verschiedenen Zeitpunkten. Am 10.7. um 1:10 Uhr MESZ war
er beim Stern Dolones III, DIII, rechts in Abb. 1 und in der
Bildmitte in Abb. 3 zu sehen. Für die Strecke von DIII bis zum
Kometen in Abb. 1 wurde ein Sehwinkel von 5,44° gemessen. Bei einer
Entfernung von 125 Millionen km hat diese Strecke eine Länge von 12
Millionen km. Der Komet legte diese Distanz in 47,7 Stunden zurück
und hat somit eine Geschwindigkeit von wenigstens 250 000 km/h.
Damit ist er mindestens zweieinhalbmal so schnell wie die Erde auf
ihrer Umlaufbahn um die Sonne. Daher fliegt er sehr weit weg und
kommt erst in etwa 6765 Jahren wieder in die Nähe der Erde. Den
kürzesten Abstand zur Erde erreicht er aber erst einmal am 23. Juli
mit 103 Millionen km. Der Schweif zeigt auf den Fotos einen
Sehwinkel von 3° und somit eine Länge von wenigstens 6,5 Millionen
km. Das ist die 17-fache Entfernung zwischen Erde und Mond.
Ein weiteres Foto hat Raphael Hauel am 11.7. um 5:20 Uhr
aufgenommen, Abb. 2. Die Abbildungen 1 bis 3 entstanden mit einer
Spiegelreflexkamera, mit unterschiedlichen Brennweiten. Eine
gemeinsame Beobachtung in der Sternwarte ist derzeit aufgrund der
Corona-Pandemie zwar nicht möglich, aber trotzdem findet die
koordinierte Fotoaktion statt: Während der Corona-Pandemie treffen
sich die Mitglieder der Astronomie-AG jede Woche im Cyberspace im
Athenetz im Raum Astronomy Club. Dabei werden Beobachtungen
verabredet und der nächste Astronomieabend zum Thema KLIMA wird auf
unserer Homepage entwickelt (http://athe-forscht.de/wiki/index.php?title=Astronomieabend). Der Zwischenstand kann bereits besichtigt werden.

Abb. 2: Neowise über der Elbquerung am 11.7.2020 um 5:20 Uhr. Foto: Hauel, Klasse 10.
Der Komet lässt sich auch gut mit einem Smartphone fotografieren,
das zeigt Jannes von Bargen, klasse 7 in Abb. 4. So kann jeder ganz
einfach sein Lieblingsmotiv mit dem Kometen im Hintergrund
aufnehmen.
Der Komet hat einen kleinen festen Kern, von dem leicht flüchtige
Gase durch den Sonnenwind sublimieren und dabei Staubteilchen
mitreißen. So entsteht eine schalenförmige Koma, sie ist in Abb. 5
als helle Spitze vor dem Schweif deutlich erkennbar. Teile der Koma
werden durch den Sonnenwind und durch den Strahlungsdruck des
Sonnenlichts weggerissen und bilden den Schweif. Dabei passen sich
die Staubteilchen langfristig der Bewegung des Sonnenwindes an.
Dadurch ist der Schweif leicht gekrümmt und nach hinten hin
verbreitert, das zeigen alle Fotos deutlich.
Grundsätzlich könnte sich eine durch den Lichtdruck der
Sonnenstrahlung verursachte weitere Komponente des Schweifs noch
klar sichtbar herausbilden. Es bleibt spannend, ob wir das von
Stade aus fotografieren können.

Abb. 3: Neowise am 11.7.2020 um 1:10 Uhr von der Stadt Stade aus fotografiert

Abb. 4: Neowise am 12.7.2020 um 1:10 Uhr über Stade. Foto: Jannes von Bargen, Klasse 7

Abb. 5: Neowise am 13.7.2020 um 0:50 Uhr von der Stadt Stade aus fotografiert

Abb. 6: Neowise am 12.7.2020 um 1:10 Uhr über dem Elbdeich in Abbenfleth. Foto: von Bargen, Difitalkamera mit 30-fachem Zoom (nicht eingesetzt)


