Aufgewachsen in Hollern-Twielenfleth, das Stader
Vincent-Lübeck-Gymnasium besucht und beim Stader Tageblatt die
ersten journalistischen Schritte gegangen. Das ist Hasnain Kazim.
Am Montag, den 14. September kehrte der mittlerweile international
bekannte Autor zurück in die Hansestadt. An diesem Tag durften die
Schülerinnen und Schüler des 13.Jahrgangs vom Gymnasium Athenaeum
sich im Rahmen des “Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage”-
Projektes eine Lesung von Hasnain Kazim anhören. Im Zentrum der
Veranstaltung standen die Themen Hassnachrichten und Rassismus.
Anhand seiner Bücher “Post von Karlheinz” und “Auf sie mit Gebrüll”
erzählte der derzeit in Wien lebend Autor von seinen Erfahrungen
als Journalist, vom Leben als Sohn indisch-pakistanischer
Einwanderer und als sich öffentlich zur eigenen politischen Meinung
bekennende Person.
Wenn auch unter Coronabedingungen, also mit geöffneten Fenstern in
der Aula, Mund-Nasen-Schutz für die Schüler beim Rein- und
Rausgehen und Abstände zwischen den Stühlen, waren Schulleiter
Martin Niestroj und Schülersprecher Tim Evers glücklich, Hasnain
Kazim an unserer Schule willkommen heißen zu können.
Auf sie mit Gebrüll? Hasnain Kazim zu Besuch am Athe
von Clara Stürzl


Nach einer kurzen Begrüßung und Ansprache der Gastgeber ging es
dann auch direkt los, Kazim nahm auf der Bühne Platz und erzählte
zunächst aus seinem Leben. Kazim berichtete, wie er eine Zunahme am
Hass im Laufe seines Lebens wahrgenommen hat, welche Ereignisse er
damit verbindet und wie diese ihn auch beeinflusst haben. Auch
widmete er sich der Frage, ob man Menschen anderer politischer
Meinung in sozialen Medien blockieren sollte und wie er Extremismus
wahrnimmt und erlebt hat.
Zwischendurch las er immer wieder Auszüge seiner Bücher vor. In
„Post von Karlheinz” verewigte der Autor sämtliche Hassnachrichten,
die er im Jahr 2016 erhielt – und ebenso die passenden Repliken
darauf. Überzeugt wurde er, ein Buch über Nachrichten zu schreiben,
die man eigentlich schnell löscht, als er im Internet einen
Chatverlauf veröffentlicht hatte. „Die vielen positiven Reaktionen
darauf drängten mich praktisch dazu, so ein Buch zu schreiben“,
meinte der 45-Jährige, der auch einen gewissen Trotz zugab. Denn
die Chatverläufe hatte er nach einem Streit mit einem Kollegen zu
sammeln begonnen. Der Kollege forderte ihn auf, die teils
rassistischen Hassnachrichten einfach hinzunehmen.
„Auf sie mit Gebrüll“ lautet der Titel des zweiten an diesem Tag
vorgestellten Buches von Kazim. Es ist in seinen Augen „eine
Anleitung zum Streiten und zum Umgang mit Hass”. Der ehemalige
Auslandskorrespondent des Spiegels setzte sich hier mit dem
bewussten Gebrauch von Sprache und den Folgen dieser auseinander.
Kazim erhielt von Anhängern des türkischen Präsidenten Erdogans im
Zuge seiner Berichterstattungen Morddrohungen, auch deswegen waren
seine Ausführungen sehr authentisch.

Zum Abschluss durften die Zuhörer dann Fragen stellen. Zunächst
noch zögerlich, aber schließlich immer selbstbewusster taten sie
das auch. Wie geht man damit um, auf einer, in Kazims Fall sogar
mehreren, Todeslisten zu stehen? Und wie steht seine Familie dazu?
Hat der Hass in der Gesellschaft tatsächlich zugenommen oder ist
dieser nur durchs Internet präsenter geworden? Und was für Menschen
stecken eigentlich hinter Hassmails?
Mit seinem sympathischen Auftreten und seiner humorvollen Art,
seinen Anekdoten und zwei tollen Büchern schaffte Kazim es, den 13.
Jahrgang des „Athe“ zu fesseln. Die Lesung war die Lesung ein
voller Erfolg, weshalb wir Herrn Kazim immer wieder gerne wieder
bei uns willkommen heißen – dann vielleicht vor einem größeren
Publikum in der „Nachcoronazeit“.


