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  1. 2020

Auf sie mit Gebrüll? Hasnain Kazim zu Besuch am Athe

von Clara Stürzl

Aufgewachsen in Hollern-Twielenfleth, das Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium besucht und beim Stader Tageblatt die ersten journalistischen Schritte gegangen. Das ist Hasnain Kazim. Am Montag, den 14. September kehrte der mittlerweile international bekannte Autor zurück in die Hansestadt. An diesem Tag durften die Schülerinnen und Schüler des 13.Jahrgangs vom Gymnasium Athenaeum sich im Rahmen des “Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage”- Projektes eine Lesung von Hasnain Kazim anhören. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Themen Hassnachrichten und Rassismus. Anhand seiner Bücher “Post von Karlheinz” und “Auf sie mit Gebrüll” erzählte der derzeit in Wien lebend Autor von seinen Erfahrungen als Journalist, vom Leben als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer und als sich öffentlich zur eigenen politischen Meinung bekennende Person.
Wenn auch unter Coronabedingungen, also mit geöffneten Fenstern in der Aula, Mund-Nasen-Schutz für die Schüler beim Rein- und Rausgehen und Abstände zwischen den Stühlen, waren Schulleiter Martin Niestroj und Schülersprecher Tim Evers glücklich, Hasnain Kazim an unserer Schule willkommen heißen zu können.

Nach einer kurzen Begrüßung und Ansprache der Gastgeber ging es dann auch direkt los, Kazim nahm auf der Bühne Platz und erzählte zunächst aus seinem Leben. Kazim berichtete, wie er eine Zunahme am Hass im Laufe seines Lebens wahrgenommen hat, welche Ereignisse er damit verbindet und wie diese ihn auch beeinflusst haben. Auch widmete er sich der Frage, ob man Menschen anderer politischer Meinung in sozialen Medien blockieren sollte und wie er Extremismus wahrnimmt und erlebt hat.
Zwischendurch las er immer wieder Auszüge seiner Bücher vor. In „Post von Karlheinz” verewigte der Autor sämtliche Hassnachrichten, die er im Jahr 2016 erhielt – und ebenso die passenden Repliken darauf. Überzeugt wurde er, ein Buch über Nachrichten zu schreiben, die man eigentlich schnell löscht, als er im Internet einen Chatverlauf veröffentlicht hatte. „Die vielen positiven Reaktionen darauf drängten mich praktisch dazu, so ein Buch zu schreiben“, meinte der 45-Jährige, der auch einen gewissen Trotz zugab. Denn die Chatverläufe hatte er nach einem Streit mit einem Kollegen zu sammeln begonnen. Der Kollege forderte ihn auf, die teils rassistischen Hassnachrichten einfach hinzunehmen.
„Auf sie mit Gebrüll“ lautet der Titel des zweiten an diesem Tag vorgestellten Buches von Kazim. Es ist in seinen Augen „eine Anleitung zum Streiten und zum Umgang mit Hass”. Der ehemalige Auslandskorrespondent des Spiegels setzte sich hier mit dem bewussten Gebrauch von Sprache und den Folgen dieser auseinander. Kazim erhielt von Anhängern des türkischen Präsidenten Erdogans im Zuge seiner Berichterstattungen Morddrohungen, auch deswegen waren seine Ausführungen sehr authentisch.

Zum Abschluss durften die Zuhörer dann Fragen stellen. Zunächst noch zögerlich, aber schließlich immer selbstbewusster taten sie das auch. Wie geht man damit um, auf einer, in Kazims Fall sogar mehreren, Todeslisten zu stehen? Und wie steht seine Familie dazu? Hat der Hass in der Gesellschaft tatsächlich zugenommen oder ist dieser nur durchs Internet präsenter geworden? Und was für Menschen stecken eigentlich hinter Hassmails?
Mit seinem sympathischen Auftreten und seiner humorvollen Art, seinen Anekdoten und zwei tollen Büchern schaffte Kazim es, den 13. Jahrgang des „Athe“ zu fesseln. Die Lesung war die Lesung ein voller Erfolg, weshalb wir Herrn Kazim immer wieder gerne wieder bei uns willkommen heißen – dann vielleicht vor einem größeren Publikum in der „Nachcoronazeit“.

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