„Ziel ist es, eine der umweltschonendsten und energiesparsamsten
Volkswirtschaften zu werden, bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen
und hohem Wohlstandsniveau“ – so lautet das Energiekonzept 2050 der
Bundesregierung. Mit diesem ausdrucksstarken Satz beginnt Prof. Dr.
Reiner Schütt seinen Vortrag und erlangt dadurch die Aufmerksamkeit
des gesamten Publikums.
Anlässlich des sechsten Vortrages im Rahmen des 425-jährigen
Jubiläums des Gymnasium Athenaeum Stade kehrte Herr Prof. Dr.
Reiner Schütt am 06.03.2013 zu seiner damaligen Schule zurück.
Heute ist er Dozent im Fachbereich Technik an der Fachhochschule
Westküste in Heide.
Über seine Schulzeit berichtet der Hochschullehrer nur positiv und
beschreibt sie als Abschnitt seines Lebens, „in dem er am meisten
Zeit hatte“. Durch Klassenkameraden und Freunde aus seiner
Schulzeit hat er auch heute noch eine enge Verbindung zu Stade – so
wurde er bereits früh über die geplanten Veranstaltungen des
Athenaeums informiert. Er nahm die Einladung gerne an.
Als Prof. Dr. Reiner Schütt vor 32 Jahren sein Abitur am Athenaeum
ablegte, stand für ihn lediglich fest, dass er „etwas mit Physik
machen wollte“. Gemeinsam mit vier anderen „Stadern“ entschied er
sich für Hannover und studierte dort Elektrotechnik. Nach Abschluss
des Studiums und seiner Promotion zog er 1992 gemeinsam mit seiner
ebenfalls in Hannover studierenden Frau nach Aurich und nahm dort
die Arbeit bei der Firma ENERCON auf. Dieses Unternehmen gehört
heute zu den weltweit führenden Produzenten von Windenergieanlagen.
Damals handelte es sich noch um ein Unternehmen mit etwa 70
Mitarbeitern, das seinen Standort auf einem kleinen
Industriegelände hatte. Prof. Dr. Schütt stand dem Motto des
Unternehmens „Grüne Energie für die Welt“ mit Skepsis gegenüber,
denn damals ahnte kaum jemand etwas von der heutigen Bedeutung der
regenerativen Energien. „Das Unternehmen lebte von einzelnen
Visionären, die damals bereits die Zukunft in der Windenergie
sahen“, so der Professor.
Grüne Energie für die Welt
Prof. Dr. Ing. Reiner Schütt über die technischen Potenziale der Windenergietechnik
von Merle Beyer


Bis heute hat sich die Relevanz der Windenergie entscheidend
verändert und Deutschland gilt als Vorbild in diesem Bereich. Dem
deutschen Erfolg liegt ein großes Innovationspotenzial und
Ausbildungsniveau sowie eine moderne Unternehmensstruktur zu
Grunde. Das weltweit hohe Ansehen Deutschlands und die
sichergestellte Zukunftsfähigkeit der Windenergie sprechen laut
Prof. Dr. Schütt für ein Studium im Bereich Elektrotechnik. Sein
Vortrag ist geprägt von der Intention, viele Schüler, und vor allem
auch Schülerinnen, für die Windenergie zu interessieren. Hinter der
Entwicklung der Windenergietechnik steckt deutlich mehr als nur das
„Tüfteln“ von Physikern. Der Aspekt der Forschung ist ebenso
relevant wie interessant und funktioniert bei der Windenergie nach
dem einfachen „Mini-Max-Prinzip“, d.h. maximale Energieausbeute bei
minimalen Kosten. Um dieses Prinzip erfolgreich umzusetzen, sei es
notwendig, Maschinensysteme zu entwickeln, die einen großen
Energieverlust verhindern und außerdem regulierbar sind. Damit es
in Zukunft möglich sein kann, die Energieversorgung der
Kernkraftwerke durch „grüne Energie“ zu ersetzen, sei außerdem eine
gute Netzinfrastruktur notwendig.
Eine Frage, die sich immer wieder stellt, ist die nach der
Zukunftsfähigkeit der Offshore-Windenergie. Prof. Dr. Schütt
erklärt, dass die Errichtung eines Offshore-Windparks zwar sehr
teuer sei, sich diese Investition jedoch relativ schnell
amortisiere, da die produzierten Kilowattstunden der
Offshore-Anlagen deutlich preiswerter seien als die der
Onshore-Windparks. Er vergleicht die Situation der
Offshore-Windenergie, mit der des Unternehmens ENERCON im Jahr
1992. Heute ist die Skepsis gegenüber den Offshore-Windparks
genauso groß wie sie 1992 gegenüber der allgemeinen Windenergie
war. Prof. Dr. Schütt hält es für möglich, dass sich in zehn Jahren
die technischen Voraussetzungen der Offshore-Windanlagen noch
weiter verbessern und sie so die Onshore-Windparks komplett
verdrängen werden.
Abschließend lässt sich sagen, dass es Prof. Dr. Reiner Schütt
eindrucksvoll gelungen ist, sowohl die SchülerInnen für die
Windenergie zu interessieren, als auch die Potenziale der
Windenergieanlagen (WEA) zu erläutern. Während seines gesamten
Vortrages betont er immer wieder, dass es ohne Visionen keine
Zukunft und ohne Entwicklung keinen Erfolg geben werde. Mit Hilfe
von abstrakten Visionen, wie z.B. im Bereich Offshore, kann die
Windenergietechnologie immer weiter optimiert werden und vielleicht
einmal die gesamte Welt mit grüner Energie versorgen.


