Musik von Bach kann gerade mit der Atmosphäre in einer Kirche ein
großes Farbspektrum erzeugen. Zwei ehemalige Schüler des Athenaeums
schufen diesen Effekt am Donnerstag, den 14.03.2013, im Rahmen des
Jubiläums in der St. Cosmae-Kirche. Organist Martin Küssner
(Abiturjahrgang 1986) und der Kammerchor der Hochschule für Musik
Detmold unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Kohler (Abiturjahrgang
1986) verwandelten die Kirche für eineinhalb Stunden in eine bunte
Klangoase.
Bereits eine Stunde vor der Vorstellung war der Chor von draußen zu
hören. Anne Kohler stellte sich mit ihren Schülern schon auf die
Akustik im Kirchgebäude ein. Martin Küssner fand sich erst später
ein, sodass die beiden sich vor dem Konzert nur kurz sahen und
nicht miteinander sprachen.
Beide waren jedoch sehr gespannt auf ein Wiedersehen. Vor der
Vorstellung erzählte die Leiterin des Kammerchors im Interview
davon, wie sie in der Schulzeit mit dem jetzigen Organisten immer
nach Hamburg in die Laeiszhalle zu Konzerten gegangen war. Seit dem
Abitur hatten die beiden keinen Kontakt mehr. Nach 27 Jahren kam
dann im Zuge des Jubiläums die Idee, die beiden könnten zusammen
ein Konzert geben.
Dieses Wiedersehen und die alten Erinnerungen an seine Schulzeit
waren Martin Küssner die weite Reise vom Bodensee, in dessen Nähe
es ihn mittlerweile verschlagen hat, hierher wert.
Vor der Aufführung war er durch die Schule geführt worden. Er
meinte, es hätte sich viel verändert, aber er sei sicher, dass der
Musikunterricht noch besser geworden sei. Er selbst hat schon in
jungen Jahren angefangen, Orgel zu spielen. Auf die Frage, ob das
nicht ein besonders kompliziertes Instrument sei, antwortete er,
jedes Musikinstrument werde das ab einem bestimmten Punkt.
Er selbst unterrichtet Klavier und Orgel an der Pädagogischen
Hochschule Weingarten und leitet außerdem den Hochschulchor. Sein
Umzug nach Süddeutschland habe ihn und seine Musik sehr geprägt,
berichtet Martin Küssner.
Anne Kohler besuchte das Athenaeum nur eineinhalb Jahre lang, war
aber Mitglied bei Herrn Niemeyer im Schulchor, sodass es sie
gefreut habe, als dieser sie zu der Veranstaltung einlud.
Dass sie zusätzlich zu Gesang auch Dirigieren studierte, läge
daran, dass sie große Freude an Musik kombiniert mit Bewegung habe,
erzählte sie. Das scheint auch genau das richtige für sie zu sein,
denn sie hat schon mehrere Chöre geleitet, die auch relativ
erfolgreich waren. Der von ihr gegründete Jazzchor „Vivid Voices“
gewann 2002 seinen ersten Preis. Jetzt unterrichtet sie in der
Hochschule für Musik Detmold, leitet dort den Kammerchor und ist
für verschiedene Organisationen überregional tätig. Sie berichtete
auch davon, wie sich ihre Prioritäten seit 1986 deutlich geändert
haben. Damals waren ihr Freiheit und Selbstverantwortung wichtig,
heute eher Freundschaft und Selbstverwirklichung.
Das Konzert wurde durch einen Vertreter der Kirche, der von der
guten Zusammenarbeit von Athenaeum und Kirche berichtete, und Herrn
Niemeyer, der die Gäste begrüßte, eingeleitet.
Anschließend wurden Stücke von Bach und anderen Künstlern, die sich
von ihm haben inspirieren lassen, gespielt. Chor und Orgel
wechselten sich ab und boten ein sehr abwechslungsreiches Programm.
Stücke in Moll und Dur hintereinander erzeugten eine Gänsehaut. Das
wurde noch dadurch verstärkt, dass der Klang in der Kirche gut
ausgenutzt wurde, um verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Man
konnte eine andere Seite der Orgel, die sonst nur mit Kirchenmusik
in Verbindung gebracht wird, kennenlernen.
Nach dem Konzert berichteten Besucher, dass das Erlebnis ihre
Erwartungen sogar übertroffen hätte.
Chor- und Orgelkonzert „Prisma Bach“ am 14.03.2013
Luise Kranzhoff



