Sie sind hier :
  1. danke

Was James Bond mit Matthias Sander verbindet

Über die „Zukunft der Werbung – Herausforderungen und Probleme“ referierte Prof.Dr. Matthias Sander von der Universität Konstanz.
Von Julius Kamper

Bei Werbung denken viele zuerst an Werbeblöcke, die die Lieblingsserie im Fernsehen unterbrechen oder Anzeigen, die in Zeitungen ganze Seiten füllen.
Eine nervige Angelegenheit, bei der man schnell weiterschaltet beziehungsweise umblättert. Sehr zum Ärger der Firmen, die diese Anzeigen für viel Geld geschaltet haben, denn die Wirkung von nicht gesehenen Anzeigen ist logischerweise gleich null. Und an diesem Punkt tritt Prof. Dr. Matthias Sande in Erscheinung. Dieses sogenannte „Zapping“, also das Vermeiden von Werbung, seiwirklich ein Problem, erklärt der gebürtige Lüneburger, aber es sei nun Aufgabe der werbenden Firmen und der Werbeindustrie, andere, effektivere Werbung zu nutzen, um ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Sponsoring von Sport- oder Kulturveranstaltungen, Eventmarketing oder Online-Werbung, es gibt eine breite Palette an Möglichkeiten zu werben, ohne dem potentiellen Kunden auf die Nerven zu gehen und ihn so zum unter Werbern gefürchteten „Zapping“ zu zwingen.
Wenn Matthias Sander an seine Schulzeit hier am Athe zurückdenkt, fallen ihm als Erstes die Lateinstunden ein, die mit einem bei den Schülern besonders gefürchteten Ritual begannen: Vokabelabfrage. Man musste die genauen Formen, die
der Lehrer vorgab, übersetzen, am besten ohne Fehler. Andernfalls musste man aufstehen und kam in der nächsten Runde noch einmal dran. Dies führte oft zu einem großen stehenden Anteil in der Klasse. Wer auch die zweite Vokabel nicht wusste, der musste sich auf den Stuhl stellen und bekam die Chance zu beweisen, dass er doch die Vokabeln gelernt hatte. War die Form dennoch falsch, musste man sich auf den Tisch stellen und bekam seine letzte Möglichkeit zu verhindern, eine
Fünf eingetragen zu bekommen. Lernformen, die nach heutigen Maßstäben nicht mehr denkbar wären. Doch Matthias Sander hat auch angenehmere Erinnerungen an seine Schulzeit. So war sein Lieblingsfach Geografie, wir würden Erdkunde sagen, was
auch an unserem jetzigen Schulleiter Herrn Horn lag, der dieses Fach damals unterrichtete. Einen Plan, was er später einmal beruflich machen würde, hatte er während seiner Schulzeit noch nicht, zumal das Wort Marketing so noch gar nicht gebräuchlich war. Erst im Studium in Volkswirtschaftslehre an der Uni Kiel kam
er das erste Mal mit diesem Thema in Kontakt, von dem er so fasziniert war, dass er gleich auch noch seinen Doktor machte. Danach plante er eigentlich in die Wirtschaft zu gehen, doch der Zufall und ein Angebot des Professors zu habilitieren hielten ihn in der Wissenschaft. Diese einmalige Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen, und er hat es bis heute nicht bereut. „Es war eine
absolut richtige Entscheidung“, sagt der Professor heute.
Die Werbung entwickelt sich wie fast alles ständig weiter. So waren bis vor kurzem Anzeigen in der Zeitung und Werbeblöcke im Fernsehen die effektivsten Methoden, auf sein Produkt aufmerksam zu machen. Doch das „Zapping“ und der
Rückgang an verkauften Zeitungen zwang die Werbefachmänner wie Professor Matthias Sander zum Weiterentwickeln der Methoden. Der Kunde dürfe der Werbung, wenn diese effektiv sein solle, nicht entgehen können, erklärt er. Ein typisches
Beispiel dafür ist die Bandenwerbung, die bei Fußballspielen oder anderen Sportveranstaltung eingesetzt wird. Dieser Form des Werbens kann man nicht entgehen, es sei denn, man sieht sich das Spiel nicht an. Genauso ist es mit dem Sponsoring, sowohl die Sponsoren als auch die Gesponserten profitieren davon.
Und nicht zuletzt sichert die Werbung direkt oder auch indirekt viele Arbeitsplätze, und zwar nicht nur den von Matthias Sander, sondern auch den von James Bond. Wenn der Geheimagent im Namen seiner Majestät Aston Martin fährt, auf sein Sony Smartphone schaut oder Martini, selbstverständlich geschüttelt und nicht gerührt, trinkt, dann legt er nicht nur Bösewichten das Handwerk, sondern finanziert den Film gleich mit. Denn es gibt kaum einen besseren Werbeplatz als 007 höchtspersönlich. An der Entdeckung und Entwicklung solcher effektiver Werbeformen war auch Matthias Sander mit seiner Arbeit nicht ganz unbeteiligt.
Ohne ihn und das sogenannte „Product Placement“ wäre auch der beste Agent der Welt aufgeschmissen.

Vorschau