Jugendreporter Joshua Minow berichtet über einen Theaterabend in
der Aula des Athenaeums aus Anlass des 425-jährigen Jubiläums.
Vorab wurde der Ex-Athenaeer Thiemo Fröhlich, als Kontrabassist und
Schauspieler Idealbesetzung des Stückes „Der Kontrabass“,
interviewt.
Am Freitag, den 31.05.13, kehrte Thiemo Fröhlich an das Athenaeum
zurück, um einen beinahe 2-stündigen Monolog zu rezitieren. Klingt
zuerst einmal verrückt, aber Patrick Süßkinds Stück „Der
Kontrabass“ ist genau das, ein sehr langer, auf der Bühne
inszenierter Monolog.
Doch bevor ich mich dem Star des Abends zuwende, widme ich mich
kurz dem Stück selbst.
Es handelt von einem Kontrabassisten, der in einem Staatsorchester
spielt. Thiemo Fröhlich nannte ihn im Interview einen
„Kontrabassproleten“. Das Publikum „sitzt“ praktisch in seinem
Musikzimmer, in dem er bei ein paar (mehr) Bieren einen Monolog
über sein Leben, die Liebe und anderes Philosophisches hält.
Symbolisch mittig platziert steht dort auch sein Kontrabass. Stellt
er den Kontrabass zunächst leicht überheblich über alle anderen
Instrumente, ändert sich mit steigendem Promillepegel seine Haltung
gegenüber dem Instrument.
Der Kontrabass – vergöttert und verflucht!


Es handelt von einem Kontrabassisten, der in einem Staatsorchester
spielt. Thiemo Fröhlich nannte ihn im Interview einen
„Kontrabassproleten“. Das Publikum „sitzt“ praktisch in seinem
Musikzimmer, in dem er bei ein paar (mehr) Bieren einen Monolog
über sein Leben, die Liebe und anderes Philosophisches hält.
Symbolisch mittig platziert steht dort auch sein Kontrabass. Stellt
er den Kontrabass zunächst leicht überheblich über alle anderen
Instrumente, ändert sich mit steigendem Promillepegel seine Haltung
gegenüber dem Instrument.
Er hält ihn nun in der klassischen Musik für verzichtbar und es
sieht so aus, als ob er den Kontrabass eigentlich überhaupt nicht
schätzt.
Der Kontrabass bestimmt sein Leben, zumindest glaubt der
Protagonist das. Das Instrument ist Schuld an allem, was ihm
passiert bzw. nicht passiert. In seinem schalldichten Musikzimmer
lässt sich die Realität gut ausblenden. Er möchte wohl
grundsätzlich teilhaben, möchte seiner heimlichen Liebe, der
Mezzosopranistin Sarah, seine Gefühle gestehen, möchte aus seinem
geregelten Beamtenleben ausbrechen, aber...

Eifersüchtig beobachtet und beurteilt er jeden, der erfolgreicher
ist.
So endet das Stück letztendlich auch mit einem Fragezeichen. Wird
der Kontrabassist sich überwinden und zu Beginn der nächsten
Vorstellung laut Sarahs Namen rufen und somit die sichere
Anonymität des Orchestergrabens aufgeben? Schließlich „sitzt er als
Mitglied des Orchesters nur im Graben, während die Sänger, zu denen
auch Sarah gehört, vom ganzen Publikum gesehen werden“. Oder traut
er sich wieder nicht?
Ich persönlich glaube eher Letzteres.
Thiemo Fröhlich ist es mit seiner Darstellung des Kontrabassisten
gelungen das Publikum hinter die Fassade dieser Persönlichkeit mit
seinen vielschichtigen Problemen blicken zu lassen. Es wurde nie
langweilig und das ist sicher die große Herausforderung für einen
Künstler bei einem Monolog dieser Länge.

Thiemo Fröhlich wurde in Fredenbeck geboren. Seine Familie zog
schon sehr früh nach Frankreich. An der französischen Schule nahm
er zwar an einer Theater-AG teil, spielte aber noch keinen
Kontrabass. 10 Jahre blieb seine Familie in Frankreich und kehrte
dann nach Stade zurück, wo Thiemo die 12. und 13. Klasse des
Athenaeums besuchte. Wie der Kontrabassist im Stück, der den
Kontrabass wählte, um seinen Vater zu ärgern, ist auch Thiemo
Fröhlich nicht einfach so zum Kontrabass gekommen. In seiner
Schulzeit hatte er einen Freund, der Kontrabass spielte. Dieser bat
ihn einmal, auf dem Athe-Schulhof den Kontrabass zu halten. Während
er also auf den Freund wartete, kam ein Mädchen vorbei und fragte
ihn, ob er Kontrabass spiele, was er verneinte. Das Mädchen sagte
ihm, der Kontrabass stehe ihm aber sehr gut …
So führte die Bemerkung eines Mädchens zu einer erfolgreichen
Künstlerkarriere. Googelt man den Namen Thiemo Fröhlich, erhält man
eine beachtliche Auflistung von nationalen und internationalen
Auftritten. Und trotzdem frage ich mich, was wohl aus ihm geworden
wäre, wenn er etwas anderes gehalten hätte, wie z.B. einen Hund?
Egal, es war ein unterhaltsamer Abend und ein interessantes
Interview. Für beides möchte ich mich bei Thiemo Fröhlich bedanken.


