Zu diesem Thema hielt am 25. Februar Herr Prof. Dr. H.-Hilger
Ropers einen Vortrag und riss damit alle Zuhörer in seinen Bann. In
einem leider viel zu kurzen Interview hatten wir die Möglichkeit,
Prof. Ropers besser kennen zu lernen und einiges über seine Zeit am
Athenaeum und sein Leben zu erfahren.
So berichtete Prof. Ropers von seiner Grundschulzeit in Dollern, in
das seine Familie aus dem Alten Land gezogen war. Nur wenige
Schüler gab es damals, in seiner Klasse gerade einmal fünf, und
Prof. Ropers war der einzige, der es auf das Athenaeum geschafft
hat, wofür man damals noch eine Aufnahmeprüfung bestehen musste.
Damit wurden bereits Weichen für die Zukunft gestellt, denn nur
fünf Prozent machten damals Abitur, also 6 oder 7x weniger als
heute. Freimütig berichtet er davon, dass er sich als Kind oft
überschätzt habe, weil ihm im Milieu des Dorfes der richtige
Vergleichsmaßstab fehlte. Genau diese ursprüngliche
Fehleinschätzung habe ihn aber später angespornt, dem eigenen
Anspruch gerecht zu werden, als ihm klar wurde, dass ‚auch andere
Mütter schlaue Kinder haben‘, auf der Oberschule in Stade und sogar
noch während des Studiums.
Für ein Kind sei Selbstbewußtsein wichtig, es solle sich “lieber
überschätzen, als unterschätzen”.
Was Sie schon immer über Genetik wissen wollten


Vom Athe berichtet Prof. Ropers sehr positiv, vor allem betont er
die “wunderbaren Lehrer”, die ihn zu seiner Zeit unterrichtet
haben. Das Athenaeum zu besichtigen, gab ihm das Gefühl, wieder
Zuhause zu sein. Etwas kritischer sieht Prof. Ropers das Leitbild
eines Gymnasiums: Lernen, zu lernen. Er finde, dass man ohne
Substrat nicht viel lernen kann. Wenn man an etwas kein Interesse
hat, dann liege es daran, dass man darüber zu wenig wisse. Er
verdeutlichte uns das beispielhaft anhand seines Sohnes, als es
darum ging, ob er das Abitur oder die mittlere Reife machen sollte,
auf die Frage seines Vaters: “Was interessiert dich denn?”
antwortet “ich weiß es nicht” und für Prof. Ropers dies der Anlass
war, ihm zu sagen: „Dann musst du weiter zur Schule gehen!“
Nach der Schule hatte Prof. Ropers Vieles im Sinn. Er ist begabt in
Sprachen, mit Technik und kann gut mit Menschen umgehen, aber an
Humangenetik hatte er damals noch nicht gedacht. Hier folgte er
seinem Freund, um wie er Medizin in Freiburg zu studieren.
Interessant war, als er von seiner entscheidenden Wende über seinen
beruflichen Werdegang berichtete.

Er begann fünf Doktorarbeiten, um einen tieferen Einblick in die
Themen zu erhalten, die ihn interessierten. Der entscheidende
Anstoß kam an einem sonnigen Tag in Freiburg, als er nach einem
weiteren Gespräch auf der Balustrade vor dem Humangenetischen
Institut sitzt und nichts Anderes denken kann als: „Humangenetik -
das ist es!“ Denn dieses Gebiet war damals ganz neu und weitgehend
unerforscht.
Nach der Promotion und Habilitation an der Universität Freiburg
lebte Prof. Ropers 17 Jahre in Holland als Leiter des
Humangenetischen Instituts der Universität Nimwegen. Was ihn in
Holland fasziniert ist, dass dort die hierarchische Stellung nicht
so wichtig ist, viel wichtiger ist das eigene Wissen. Je mehr man
kann und weiß, desto größer ist die eigene Autorität. Aufgrund der
flacheren Strukturen ist auch Teamarbeit besser möglich, und nur im
Austausch mit anderen können gute Ideen entstehen. Seit 1994 ist
Prof. Ropers Direktor am Max-Planck-Instituts für molekulare
Genetik in Berlin. Dort arbeitet er mit seiner Gruppe unter
“beachtlichem Leistungsdruck” an den molekularen Ursachen von
geistiger Behinderung. Wenn Eltern zu ihm kommen und fragen, warum
sie ein geistig-behindertes Kind zur Welt gebracht haben, würde er
diesen am liebsten antworten können und, um das irgendwann einmal
möglich zu machen versucht er die kleinen Lücken zu füllen, die die
Lösung geben können. Dafür braucht er möglichst viele Ergebnisse
von Gentest einer Familie, wie nur möglich. Aber mit den deutschen
Durchschnittsfamilien, wo ein bis zwei Kinder normal sind,
erscheint das schwer. Deshalb arbeitet er seit zehn Jahren immer
wieder im Iran, wo es noch sehr große Familien mit sehr vielen
Kindern gibt.
Beim obligatorischen Händeschütteln legte er uns noch nahe, dass
wir auf seinen Rat hören und das machen sollen, was uns wirklich
interessiert. Eines ist in seinen Augen dennoch klar: anstrengen
muss man sich immer im Leben, aber wenn man an etwas arbeitet, was
einem interessiert, dann fällt einem die Anstrengung leicht.
Gerne hätten wir uns noch mindestens zwei Stunden mit Herrn Ropers
unterhalten können, allein wegen seiner sympathischen, uns
zugewandten und freundlichen Art.
Robin Seel

Unser Schulleiter, Herr Horn, eröffnete den Vortrag ,,Alles, was
Sie schon immer über Genetik wissen wollten” von Professor H. H.
Ropers, der sich vor der Präsentation für die Einladung bedankte
und sich anschließend kurz vorstellte.
Nach einer kleinen Einführung in die Thematik des Vortrages begann
Professor Ropers, unterstützt durch englisch- und deutschsprachige
Folien der Power-Point Präsentation, mit einem Überblick über das
menschliche Genom und brachte dessen Merkmale durch gelungene
Beispiele den Zuschauern näher.
Herr Professor Dr. Ropers erläuterte, dass bis jetzt nur 3500
Krankheitsgene bekannt seien, während die geschätzte Zahl bei circa
15000 liege. Ergänzend dazu erklärte er, dass 2/3 aller Gene
Krankheiten auslösen können, die vor allem durch Fehler bei der
DNS-Kopierung auftreten (Neumutationen). So kann ein einziger
Basenaustausch eine Krankheit zur Folge haben, sodass die
Erforschung dieser Krankheiten der sogenannten Suche nach der
,,Nadel im Heuhaufen” ähnelt. Anschließend stellte Professor Ropers
das Humangenomprojekt vor, an dem von 1990 bis 2003 gearbeitet
wurde, um die Grundstruktur des menschlichen Erbguts aufzuklären.
Dieses Projekt verschlang insgesamt 3 Milliarden US Dollar und war
so das teuerste biologische Forschungsprojekt überhaupt. Ein
internationales, staatlich finanziertes Konsortium unter Leitung
des Amerikaners Francis Collins und die private Firma von Craig
Venter lieferten sich ein Wettrennen um die Identifizierung aller
Gene, das 2003 abgeschlossen wurde, nachdem sich beide Seiten schon
im Jahre 2000 auf ein Unentschieden geeinigt hatten. Allen, die
diesen Wettlauf nachempfinden möchten, empfiehlt Herr Ropers das
Buch „The Genome War: How Craig Venter Tried to Capture the Code of
Life and Save the World‘ von James Shreeve.
Um die Attraktivität dieses Großvorhabens zu steigern und die
Finanzierung des zweiten 5-Jahresplans durch den amerikanischen
Kongress sicherzustellen, hatte Francis Collins im Jahre 1995
beschlossen, dieses Vorhaben auf häufige Volkskrankheiten wie
Demenz und Diabetes auszurichten; bis dahin hatte die Aufklärung,
Diagnose und Behandlung ernster, aber meist seltener Gendefekte im
Mittelpunkt gestanden. Jedoch liessen sich die für diese
Entscheidung verantwortlichen Wissenschaftler von falschen
Vorstellungen leiten, wie Ropers berichtete. Sie nahmen an, dass
häufige Krankheiten auch häufige genetische Ursachen haben müssten.
Nachdem Milliarden in die – meist vergebliche - Suche nach häufigen
genetischen Risikofaktoren von Volkskrankheiten investiert worden
waren, hat auf diesem Gebiet ein Umdenken eingesetzt, aber erst
seit wenigen Jahren interessiert sich die Genomforschung wieder für
die Aufklärung der Ursachen ernster genetisch bedingter
Krankheiten, die auf Defekte einzelner Gene zurückgehen.
Als einen weiteren Abschnitt des Vortrages thematisierte er die
erweiterten Technologien der DNS-Sequenzierung, durch die es
möglich ist, die DNS relativ kostengünstig untersuchen zu lassen.
Jedoch spricht Ropers in seinem Vortag auch Probleme bei der
Forschung nach den genetischen Ursachen für geistige Behinderung
an, da es zu wenig Experten in diesem Gebiet gebe und durch die
Medien und die Politik oft ein falsches Bild von der Analyse der
Genetik des Menschen vermittelt werde. In Zukunft solle die
Identifizierung der Eltern weiter ausgebaut werden, die ein Risiko
für Kinder mit Krankheiten haben.
Zum Ende der Präsentation betonte Professor Ropers, dass Behinderte
Respekt verdienen würden, ihre Krankheiten aber nicht und man sie
erforschen müsse. Dabei ergänzt er, dass eine Erforschung dieser
keine Diskriminierung von Behinderten darstelle.
Er forderte Eltern mit behinderten Kinder dazu auf, in die
Öffentlichkeit zu gehen, um die Politik aufzurütteln und die
Krankheit ihres Kindes bekannter zu machen. Des weiteren wäre, nach
Ropers Meinung, durch eine Patienten-/Elterneinrichtung es möglich,
die Interessen der Eltern gegenüber der Politik besser
auszudrücken.
Nach dem Vortrag und dem gebührenden Applaus, konnte man sich noch
einer Diskussionsrunde anschließen. Bei den Fragen von Jung und
Alt, kamen auch Zweifel und Kritik in Bezug auf die Analyse der
menschlichen Genetik auf, dass Informationen auch in falsche Hände
kommen könnten.
Allem im Allem, war es ein sehr interessanter Vortrag über die
Genetik des Menschen, der spannende und neue Informationen
lieferte, die man auch ohne besondere biologische Ausbildung durch
die teilweise auch unterhaltsame Vortragsweise gut verstehen
konnte.
Kim Tobaben


