


Malediven, Michael und die meisten Punkte
Neuntklässler Michael Gisbrecht gewinnt die zweite Runde des
"Dierke" Erdkundewettbewerbs und steht nun im Niedersachsenfinale.
von Julius Kamper
Erdkunde ist nicht jedermanns Sache. Entweder man interessiert sich
für dieses Themengebiet oder man hangelt sich in der Schule durch
und wählt es bei der nächsten Gelegenheit ab. Dass die Teilnehmer
am Schulentscheid des Erdkundewettbewerbs, der am Dienstag, den 19.
Februar im Computerraum des Athes stattfand, zu den Erstgenannten
gehören, steht außer Frage.
Für die Schüler der siebten bis zur zehnten Klasse, die sich schon
zuvor in ihren Klassen durchgesetzt hatten, ging es nun um den
Einzug in das Niedersachsenfinale.
Michael Gisbrecht aus der neunten Jahrgangsstufe, der im Übrigen
auch Jugendreporter ist, setzte sich gegen alle Mitbewerber durch.
Und das, ohne sich darauf vorbereitet zu haben. "Worauf soll man
sich denn bei einem Erdkundewettbewerb vorbereiten?" fragt er nur.
Woher er dies alles wisse, kann er sich selbst nicht wirklich
erklären: Sein Wissen habe er, nach eigenen Angaben, über Jahre
angesammelt. Auch seine Erdkundeleistungen in der Schule sind, wie
Michael es selber ausdrückt, "nicht so schlecht". Er steht auf
Eins. Es waren also nicht die schlechtesten Vorraussetzungen, mit
denen er in den Wettbewerb ging.
Und so waren die meisten Fragen auch kein Problem für den
Neuntklässler. Wichtige Städte in Europa auf einer völlig leeren
Landkarte einzeichnen oder die Staatsgrenzen von Portugal möglichst
genau benennen, wo andere längst nervös nach einem Atlas suchen,
hat Michael keine Probleme. Auch früher habe er oft mal in selbigem
geblättert und sich so schon unbewusst einige Grenzen eingeprägt,
was in einem Fachgebiet wie Erdkunde offensichtlich hilfreich sein
kann. Doch es wäre kein Erdkundewettbewerb, wenn nur Fragen zu
Deutschland und Europa gestellt werden würden. Auch internationale
Aufgaben waren dabei, zum Beispiel wurde nach dem kleinsten Staat
Asiens gefragt - das ist eine vielleicht nicht allen bekannte
Inselgruppe im Indischen Ozean, die Malediven. Dort leben nur etwa
330 000 Leute, ungefähr so viele wie in Bonn, das übrigens, wie
Erdkundepofis sicher wissen, früher mal Bundeshauptstadt war.
Doch niemand ist vor Fehlern sicher, und so scheiterte Michael an
der Stadt, die am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz liegt. Auch
der Hinweis auf den St. Stephansdom, der in der gesuchten Stadt
steht, konnte ihm da nicht helfen: Gesucht war Passau in Bayern,
allerdings wusste keiner der Teilnehmer, welche Flüsse ausgerechnet
dort zusammenfließen. Dass man das Klima im Regenwald
"Tageszeitenklima" nennt, gehörte zu den wenigen Aufgaben in diesem
Wettbewerb, die Michael nicht lösen konnte. Insgesamt war der Test
für ihn zwar etwas schwieriger, aber nicht unmöglich zu lösen. So
kam er immerhin auf über zwanzig von dreißig Punkten, womit er
diese Runde des Wettbewerbs, knapp vor dem Zweitplatzierten mit
neunzehn Punkten, für sich entschied.
Jetzt wartet der Niedersachsenentscheid auf ihn, wo er "so gut wie
möglich" abschneiden möchte.


