Nach einer kurzen Vorstellung der Gäste und ihres Werdegangs nach
ihrem Abitur am Athe begannen die beiden, sich konkret mit dem
Thema des Abends auseinanderzusetzen. Was löste 2008 die
Finanzkrise aus, mit der Amerika und ganz besonders Europa jetzt
noch zu kämpfen haben? Die Immobilienkrise in Amerika sieht
Fitschen eindeutig als Auslöser. Dieser liege jedoch entgegen der
allgemeinen Vorstellung die politische Entscheidung zu Grunde,
jeder Amerikaner hätte das Recht auf ein eigenes Haus. Im Zuge
dieser Entwicklung seien Kredite an Menschen vergeben worden, die
diese unter anderen Umständen niemals erhalten hätten. Allerdings
spricht der Vorstandschef der Deutschen Bank auch den
amerikanischen Banken eine Mitschuld nicht ab. Sie seien dafür
verantwortlich, dass die Krise global geworden sei, indem sie diese
faulen Kredite neu verpackt und an ausländische Banken verkauft
hätten. Das gesamte System sei dadurch zu undurchsichtig geworden.
Als nach dem Platzen der Immobilienblase in Amerika deutsche
Landesbanken gerettet werden mussten, habe Fitschen Politiker
vermisst, die sich öffentlich zu ihrer Mitschuld bekannten. Diese
hätten in den Aufsichtsräten der Banken nichts gegen dieses
riskante Geschäft unternommen.
Fitschen sei außerdem der Meinung, dass die Deutsche Bank aus den
Fehlern der Vergangenheit gelernt habe und es schon einige
Veränderungen gab, die dazu führen sollen, dass Banker für ihr
Handeln Verantwortung übernehmen müssen. Allerdings seien diese
Veränderungen Aufgabe der Wirtschaft selbst und nicht die der
Politik. Diese sollte lediglich die Rahmenbedingungen des Marktes
festlegen und ein großer Einfluss seitens des Staates wie zum
Beispiel im Nachbarland Frankreich sei längerfristig schädlich. Es
sei wichtig, dass die Menschen verstünden, wie wichtig Banken für
die Wirtschaft eines Landes seien. Das Vertrauen müsse
wiedergewonnen werden. Fitschen sagte: „Das Ansehen der Banken zu
verbessern ist eine große Herausforderung, die ich gerne annehme.“
Auch Stefan Aust bezog an diesem Abend klar Stellung, als es darum
ging, ob millionenschwere Managergehälter überhaupt gerechtfertigt
seien. Als Beispiel nannte er hier den ehemaligen Porschechef
Wendelin Wiedeking, der für sehr gute Leistung auch eine
entsprechende Bezahlung verdient habe. Vielmehr lenkte Aust den
Fokus auch auf die Eigentümer, die „sich noch mehr Geld in die
Tasche stecken“. Fitschen hingegen war der Meinung, dass die
Gesellschaft so hohe Gehälter nicht mehr akzeptiere, da die Schere
zwischen Arm und Reich inzwischen zu weit auseinandergegangen sei.
Auch die Rolle der Journalisten wurde an diesem Abend nicht
vernachlässigt. Die immer größer werdende Bedeutung des Internets
in der Berichterstattung sah Aust kritisch. Nachrichten würden
nicht mehr ausreichend überprüft, bevor sie veröffentlicht werden.
Es gebe einen immer stärkeren Wettlauf darum, wer eine Nachricht
zuerst veröffentlicht und dadurch würde das Internet oft zu
schnelllebig. Er erwarte von guten Journalisten, dass diese
„schreiben, was stimmt“. Auf die Kritik, dass oft nur schlechte
Nachrichten veröffentlicht und so das Bild in der Allgemeinheit
verzerrt werde, rechtfertigte er sich damit, dass sich schlechte
Nachrichten nun mal besser verkaufen ließen. „Niemand möchte hören,
dass heute alle Jets der Lufthansa sicher gelandet sind.“
Zum Schluss hatten beide noch einen Rat an die anwesenden Schüler:
Um es im Leben weit zu bringen, erfordere es keine ausgefeilte
Karriereplanung. Wichtig seien vielmehr eine solide, allgemeine
Ausbildung, Neugier und Flexibilität sowie die Fähigkeit, in
(internationalen) Netzwerken zu arbeiten.