(Teil 1: JK) Normalerweise stehen hier beim Cinemaxx in
Hamburg-Damtor Kinobesucher, die sich eine Karte für einen Film,
wahlweise auch Popcorn, Nachos oder Schokolade kaufen möchten. Aber
am Freitag, dem 19.4.2013, sind die Gäste keine Kinogäste, sondern
Schüler. Die meisten sind angehende Abiturienten oder zumindest in
der Oberstufe mit der Zielgrade im Blick. Aber diesmal lockt nicht
Hollywood, sondern die Messe „Wege in den Traumberuf Medien“ von
dem Karrieremagazin bsolut°karriere“ in das Cinemaxx. Auch wir von
der Jugendreporter AG sind da, obwohl wir weder in Oberstufe
stehen, noch kurz vorm Abitur sind, aber das Thema interessiert
uns.
Viele Hochschulen mit dem Schwerpunkt Journalismus oder, wie es auf
den Flyern der „Business and Information Technology Shool“, kurz
„BiTS“ steht, „Journalism“ säumen den Eingangsbereich und werben
für ihre Uni. So wie eine nette Dame von der „mhmk“, eine Abkürzung
für „Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation“, die mich
mit Informationen zu Journalistik, ihrem Fachgebiet, zu versorgt.
„Es kann nicht schaden, sich jetzt schon Gedanken über den Beruf zu
machen.“, erklärt sie, als ich erzähle, dass wir erst in die neunte
Klasse gehen und die Oberstufe bisher nur aus einem Vortrag von
Herrn Steinhilber kennen. Immerhin scheinen wir nicht wie
Neuntklässler auszusehen, denn sonst würde man uns wahrscheinlich
am Stand der „BiTS“ nicht fragen, ob wir zum Wintersemester
anfangen wollen würden …
Ich nehme mir noch einen Flyer der „mhmk“ mit. Er ist zum Großteil
schwarz-weiß gehalten, aber eine grüne Sprechblase formuliert die
Vorstellung und den Berufswunsch vieler. „Irgendwas mit Medien?“
steht drauf und eine andere Sprechbalse ergänzt „...dann aber
richtig!“. Ich packe ihn in die Papiertasche, die jeder Teilnehmer
am Eingang bekommen hatte, zu den anderen Infomaterialien. Zu Hause
kann ich das alles in Ruhe durchlesen. An den Ständen stehen junge
Frauen und Männer, alles selber Absolventen, und versuchen den
Schülern ihre Hochschule und die mit ihr verbundenen Vorteile
schmackhaft zu machen. Denn in Zeiten von Bevölkerungsrückgang und
Fachkräftemangel wird um jeden geworben. Das war zur Zeiten, als
unsere Eltern aus der Schule kamen, noch anders. Da konnten sich
die Unis, wie die Arbeitgeber, noch ihr „Personal“ aussuchen. Heute
können wir zu solchen Veranstaltungen fahren, dem demografischen
Wandel sei Dank.
Wege in den Jounalismus
Die vier Jugendreporter Luise, Melina, Adriana und Julius schauen sich nach ihrem Traumberuf um


Inzwischen ist es voller geworden im Cinemaxx, denn die erste
Podiumsdiskussion „Wege in den Journalismus“, steht an. Mit dabei
ist Linda Zervakis, Tagesschausprecherin und just an diesem Tage
zur Nachfolgerin von Marc Bator für die 20-Uhr Sendung befördert.
Sie erzählt der Podiumsrunde und natürlich auch dem Publikum ihren
nicht immer ganz geraden Weg in ihren Traumberuf. Für ein Studium
hat es bei ihr, untypisch für diese Runde, nicht gereicht. Sie habe
zuerst ihr Geld im Imbiss ihrer Eltern verdient, dann sei sie über
den Job als Werbetexterin bei einer Agentur schließlich zu ihrem
Volontariat gekommen, das ihr das Tor zum Journalismus öffnete.
Auch andere Medienprofis sitzen dort und zeichnen nach, wie sie in
dieses Berufsfeld gekommen seien. Ein Studium sei zwar nicht immer
erforderlich, aber auch keineswegs hinderlich, sagt zum Beispiel
Prof. Dr. Roland Schröder, Professor für Kommunikation und
Medienmanagement an FH BiTS Iserlohn, auch mit Blick auf Linda
Zervakis, die es auch ohne akademische Ausbildung weit gebracht
hat. Journalist könne im Prinzip jeder sein, entgegnet Rudolf
Porsch, stellvertretender Direktor der Axel Springer Akademie, denn
man muss nichts Großartiges können, um jemandem zum Beispiel ein
Mikro unter die Nase zu halten, man könne und müsse aber sehr wohl
lernen, ein guter Journalist zu sein. Moderator Jan-Philipp
Burgard, der neben seinem Engagement bei „absolut°karriere“ noch
für den NDR und das ZDF arbeitet, hat sogar einen Doktortitel in
seinem Fachgebiet und nutzt die Gelegenheit, kräftig für sein neues
Buch zu werben. „Wege in den Traumberuf Journalismus. Deutschlands
Top-Journalisten verraten ihre Erfolgsgeheimnisse“ heißt es. Dort
kommen Journalisten Profis wie Peter Kloeppel oder Tom Buhrow zu
Wort und erzählen von ihrem, nicht immer geraden, Weg in ihren
Traumberuf. Dann gibt es noch ein kleines Personen-Quiz, aber nicht
irgendeins. Es ist Teil der Aufnahmeprüfung für die Henry von
Nannen Journalistenschule in Hamburg. Und die Prominenten sind
teilweise nicht einfach zu erkennen. Ein Mann mittleren Alters mit
kurzen, blonden Haaren und einer kleinen Brille sorgt für ratlose
Gesichter im jugendlichen Publikum. Er stellt sich hinterher als
Jens Weidmann, Chef der deutschen Bundesbank, heraus.
Zum Abschluss beantwortet die Runde noch Fragen der Jugendlichen.
Schnell ist man beim lieben Geld angelangt, ein Thema, über das man
ja bekanntlich nicht gerne in der Öffentlichkeit spricht, und
dementsprechend scheut sich die Runde, konkrete Beträge zu nennen.
Bis auf Rudolf Porsch, der Beträge zwischen 3000 und 5500 Euro
nennt, je nachdem, wo und in welcher Position man arbeite. Aber es
gäbe auch Journalisten, die Millionäre seien, erklärt er. Das sind
doch keine so schlechten Nachrichten für die Zuhörer im Saal, von
denen nicht wenige Journalisten werden wollen. Der zweite Teil der
Veranstaltung wird sich mit einem anderen, nicht weniger wichtigen
Bereich der Medien beschäftigen, dem Design. Denn, wie wir erfahren
werden, ist alles, das uns täglich umgibt, designed - auch die
Verpackungen eines großen Fast-Food Restaurants, in dem wir unser
Mittagsmenü essen.
(Teil 2: AD/MU) Nach reichlich Aufregung über das McDonalds
Monopoly und viel zu viele überflüssige hellblaue Straßen machen
wir uns auf den Rückweg zur zweiten Diskussion. In dieser geht es
um Grafik, Werbung und Design, worüber wir uns bereits am Morgen an
den restlichen Informationsständen ausführlich informiert haben.
Dabei wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man bei fast
keiner der sich vorstellenden Universitäten von Geburt an ein
„Picasso“ sein müsse, um Design oder eines der anderen Themenfelder
zu studieren. Einige der Studenten erzählen sogar, dass sie vor
ihrem Studium praktisch noch nie einen Pinsel in der Hand gehalten
hatten.
Diese in Information gemeinsam mit der Tatsache, dass kreative
Schöpfungsarbeit doch eigentlich ganz cool klingt, bewirken, dass
wir uns einfach mal den Ablauf des Studiums an einer der
Universitäten erläutern ließen.
Und nun öffnen sich endlich zum zweiten Mal an diesem Tag die Türen
zum großen Kinosaal und wir nehmen Platz zur nächsten Diskussion.
Bekiffte Studenten in Australien, in Amsterdam oder lieber ein
freiwilliges Praktikum in einer Werbeagentur vor dem
Studienanfang...das ist hier die Frage. Es gibt darüber
weitgreifende Diskussionen zwischen zweien der Podiumsgäste: Ulrike
Krämer und Uwe Stocklossa debattieren recht amüsiert über diese
Frage. Enden tut das Ganze mit dem ausgewachsenen Streit, wer von
beiden diese Theorie am besten umsetzt und seine Studenten mit
Haschisch ins Auslandssemester schickt. Wir staunen!
Einig sind sich am Ende alle über die Korrektheit der Aussage von
Jörg Schultheis, dass man einfach so viele Erfahrungen wie irgend
möglich sammeln sollte, auch wenn es nicht zwangsweise in den
zukünftigen Beruf passt. Auch ein Designer kann in einem
Krankenhaus in Afrika ausgeholfen haben.
Ein ähnliches Konzept verfolgt er in seiner eigenen Werbeagentur
Serviceplan.
Bei gutem Wetter stellt dort auch mal der Chef einen Grill im
Garten auf und holt die gesamten Angestellten nach draußen. Das
gesamte Gelände ist W-LAN vernetzt: Auch draußen kann gearbeitet
werden, denn dort kommen die kreativsten Ideen. Sogar ein
firmeneigenes Casino gibt es, damit die kreativen Köpfe auch das
richtige Klima zum Kreativ-Sein haben.
Aufgrund all dieser Tatsachen und der mitgebrachten Werbevideos,
schwanken unsere bis dahin eindeutigen Berufsvorstellungen.
Schwanken muss ja aber nicht schlecht sein, es regt zu neuen
Überlegungen an.
In der Bahn überlegen und erkennen wir:
„Jetzt mal im Ernst, Messe, musste das sein?! Jetzt sind 4
Neutklässler total verwirrt, nicht nur ein bisschen verwirrt,
sonder richtig, richtig verwirrt!!!“


