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  1. 2013

Wege in den Jounalismus

Die vier Jugendreporter Luise, Melina, Adriana und Julius schauen sich nach ihrem Traumberuf um

(Teil 1: JK) Normalerweise stehen hier beim Cinemaxx in Hamburg-Damtor Kinobesucher, die sich eine Karte für einen Film, wahlweise auch Popcorn, Nachos oder Schokolade kaufen möchten. Aber am Freitag, dem 19.4.2013, sind die Gäste keine Kinogäste, sondern Schüler. Die meisten sind angehende Abiturienten oder zumindest in der Oberstufe mit der Zielgrade im Blick. Aber diesmal lockt nicht Hollywood, sondern die Messe „Wege in den Traumberuf Medien“ von dem Karrieremagazin bsolut°karriere“ in das Cinemaxx. Auch wir von der Jugendreporter AG sind da, obwohl wir weder in Oberstufe stehen, noch kurz vorm Abitur sind, aber das Thema interessiert uns.
Viele Hochschulen mit dem Schwerpunkt Journalismus oder, wie es auf den Flyern der „Business and Information Technology Shool“, kurz „BiTS“ steht, „Journalism“ säumen den Eingangsbereich und werben für ihre Uni. So wie eine nette Dame von der „mhmk“, eine Abkürzung für „Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation“, die mich mit Informationen zu Journalistik, ihrem Fachgebiet, zu versorgt. „Es kann nicht schaden, sich jetzt schon Gedanken über den Beruf zu machen.“, erklärt sie, als ich erzähle, dass wir erst in die neunte Klasse gehen und die Oberstufe bisher nur aus einem Vortrag von Herrn Steinhilber kennen. Immerhin scheinen wir nicht wie Neuntklässler auszusehen, denn sonst würde man uns wahrscheinlich am Stand der „BiTS“ nicht fragen, ob wir zum Wintersemester anfangen wollen würden …
Ich nehme mir noch einen Flyer der „mhmk“ mit. Er ist zum Großteil schwarz-weiß gehalten, aber eine grüne Sprechblase formuliert die Vorstellung und den Berufswunsch vieler. „Irgendwas mit Medien?“ steht drauf und eine andere Sprechbalse ergänzt „...dann aber richtig!“. Ich packe ihn in die Papiertasche, die jeder Teilnehmer am Eingang bekommen hatte, zu den anderen Infomaterialien. Zu Hause kann ich das alles in Ruhe durchlesen. An den Ständen stehen junge Frauen und Männer, alles selber Absolventen, und versuchen den Schülern ihre Hochschule und die mit ihr verbundenen Vorteile schmackhaft zu machen. Denn in Zeiten von Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel wird um jeden geworben. Das war zur Zeiten, als unsere Eltern aus der Schule kamen, noch anders. Da konnten sich die Unis, wie die Arbeitgeber, noch ihr „Personal“ aussuchen. Heute können wir zu solchen Veranstaltungen fahren, dem demografischen Wandel sei Dank.

Inzwischen ist es voller geworden im Cinemaxx, denn die erste Podiumsdiskussion „Wege in den Journalismus“, steht an. Mit dabei ist Linda Zervakis, Tagesschausprecherin und just an diesem Tage zur Nachfolgerin von Marc Bator für die 20-Uhr Sendung befördert. Sie erzählt der Podiumsrunde und natürlich auch dem Publikum ihren nicht immer ganz geraden Weg in ihren Traumberuf. Für ein Studium hat es bei ihr, untypisch für diese Runde, nicht gereicht. Sie habe zuerst ihr Geld im Imbiss ihrer Eltern verdient, dann sei sie über den Job als Werbetexterin bei einer Agentur schließlich zu ihrem Volontariat gekommen, das ihr das Tor zum Journalismus öffnete. Auch andere Medienprofis sitzen dort und zeichnen nach, wie sie in dieses Berufsfeld gekommen seien. Ein Studium sei zwar nicht immer erforderlich, aber auch keineswegs hinderlich, sagt zum Beispiel Prof. Dr. Roland Schröder, Professor für Kommunikation und Medienmanagement an FH BiTS Iserlohn, auch mit Blick auf Linda Zervakis, die es auch ohne akademische Ausbildung weit gebracht hat. Journalist könne im Prinzip jeder sein, entgegnet Rudolf Porsch, stellvertretender Direktor der Axel Springer Akademie, denn man muss nichts Großartiges können, um jemandem zum Beispiel ein Mikro unter die Nase zu halten, man könne und müsse aber sehr wohl lernen, ein guter Journalist zu sein. Moderator Jan-Philipp Burgard, der neben seinem Engagement bei „absolut°karriere“ noch für den NDR und das ZDF arbeitet, hat sogar einen Doktortitel in seinem Fachgebiet und nutzt die Gelegenheit, kräftig für sein neues Buch zu werben. „Wege in den Traumberuf Journalismus. Deutschlands Top-Journalisten verraten ihre Erfolgsgeheimnisse“ heißt es. Dort kommen Journalisten Profis wie Peter Kloeppel oder Tom Buhrow zu Wort und erzählen von ihrem, nicht immer geraden, Weg in ihren Traumberuf. Dann gibt es noch ein kleines Personen-Quiz, aber nicht irgendeins. Es ist Teil der Aufnahmeprüfung für die Henry von Nannen Journalistenschule in Hamburg. Und die Prominenten sind teilweise nicht einfach zu erkennen. Ein Mann mittleren Alters mit kurzen, blonden Haaren und einer kleinen Brille sorgt für ratlose Gesichter im jugendlichen Publikum. Er stellt sich hinterher als Jens Weidmann, Chef der deutschen Bundesbank, heraus.
Zum Abschluss beantwortet die Runde noch Fragen der Jugendlichen. Schnell ist man beim lieben Geld angelangt, ein Thema, über das man ja bekanntlich nicht gerne in der Öffentlichkeit spricht, und dementsprechend scheut sich die Runde, konkrete Beträge zu nennen. Bis auf Rudolf Porsch, der Beträge zwischen 3000 und 5500 Euro nennt, je nachdem, wo und in welcher Position man arbeite. Aber es gäbe auch Journalisten, die Millionäre seien, erklärt er. Das sind doch keine so schlechten Nachrichten für die Zuhörer im Saal, von denen nicht wenige Journalisten werden wollen. Der zweite Teil der Veranstaltung wird sich mit einem anderen, nicht weniger wichtigen Bereich der Medien beschäftigen, dem Design. Denn, wie wir erfahren werden, ist alles, das uns täglich umgibt, designed - auch die Verpackungen eines großen Fast-Food Restaurants, in dem wir unser Mittagsmenü essen.

(Teil 2: AD/MU) Nach reichlich Aufregung über das McDonalds Monopoly und viel zu viele überflüssige hellblaue Straßen machen wir uns auf den Rückweg zur zweiten Diskussion. In dieser geht es um Grafik, Werbung und Design, worüber wir uns bereits am Morgen an den restlichen Informationsständen ausführlich informiert haben. Dabei wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man bei fast keiner der sich vorstellenden Universitäten von Geburt an ein „Picasso“ sein müsse, um Design oder eines der anderen Themenfelder zu studieren. Einige der Studenten erzählen sogar, dass sie vor ihrem Studium praktisch noch nie einen Pinsel in der Hand gehalten hatten.
Diese in Information gemeinsam mit der Tatsache, dass kreative Schöpfungsarbeit doch eigentlich ganz cool klingt, bewirken, dass wir uns einfach mal den Ablauf des Studiums an einer der Universitäten erläutern ließen.
Und nun öffnen sich endlich zum zweiten Mal an diesem Tag die Türen zum großen Kinosaal und wir nehmen Platz zur nächsten Diskussion.
Bekiffte Studenten in Australien, in Amsterdam oder lieber ein freiwilliges Praktikum in einer Werbeagentur vor dem Studienanfang...das ist hier die Frage. Es gibt darüber weitgreifende Diskussionen zwischen zweien der Podiumsgäste: Ulrike Krämer und Uwe Stocklossa debattieren recht amüsiert über diese Frage. Enden tut das Ganze mit dem ausgewachsenen Streit, wer von beiden diese Theorie am besten umsetzt und seine Studenten mit Haschisch ins Auslandssemester schickt. Wir staunen!
Einig sind sich am Ende alle über die Korrektheit der Aussage von Jörg Schultheis, dass man einfach so viele Erfahrungen wie irgend möglich sammeln sollte, auch wenn es nicht zwangsweise in den zukünftigen Beruf passt. Auch ein Designer kann in einem Krankenhaus in Afrika ausgeholfen haben.
Ein ähnliches Konzept verfolgt er in seiner eigenen Werbeagentur Serviceplan.
Bei gutem Wetter stellt dort auch mal der Chef einen Grill im Garten auf und holt die gesamten Angestellten nach draußen. Das gesamte Gelände ist W-LAN vernetzt: Auch draußen kann gearbeitet werden, denn dort kommen die kreativsten Ideen. Sogar ein firmeneigenes Casino gibt es, damit die kreativen Köpfe auch das richtige Klima zum Kreativ-Sein haben.
Aufgrund all dieser Tatsachen und der mitgebrachten Werbevideos, schwanken unsere bis dahin eindeutigen Berufsvorstellungen. Schwanken muss ja aber nicht schlecht sein, es regt zu neuen Überlegungen an.
In der Bahn überlegen und erkennen wir:
„Jetzt mal im Ernst, Messe, musste das sein?! Jetzt sind 4 Neutklässler total verwirrt, nicht nur ein bisschen verwirrt, sonder richtig, richtig verwirrt!!!“

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