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  1. 2013

Festakt am 17.06.2013

von Paul Anton Rainer und Richard Manfred Unkelbach

Am Montag, den 17. Juni 2013 fand mit dem Festakt einer der Höhepunkte der Festivitäten zum 425-jährigen Jubiläum des Athenaeums statt. Neben der Lehrerschaft und Schülervertretern waren auch der Schule verbundene Politiker, Vertreter der Elternschaft, der Lokalpresse und der Schulbehörde sowie Ehemalige vor Ort. Unter den Gästen befanden sich sowohl lokal bekannte Gesichter wie Landrat Michael Roesberg oder der Erste Kreisrat, Eckart Lantz, als auch Persönlichkeiten überregionaler Bekanntheit wie die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt oder der langjährige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust, ein Ehemaliger des Athenaeums.
Der Festakt wurde durch einen musikalischen Leckerbissen eingeleitet, „serviert“ von dem gemeinsamen Orchester von Athenaeum und Vincent-Lübeck-Gymnasium unter der Leitung von Ernstulrich Heider (VLG). Dabei entstand infolge eines langen Trommelsolos eine spannungsgeladene Atmosphäre, welche die Zuhörer in eine erwartungsvolle Stimmung versetzte.
Auf den wohltönenden Auftakt folgte die Begrüßungsrede von Schulleiter Wolfgang Horn zum „etwas krummen“ 425-jährigen Jubiläum der „alten Dame Athenaeum“, in der er zunächst einige Gäste begrüßte und sich für das unterstützende Engagement der mit der Schule verbundenen Personen, Firmen und Institutionen dankbar zeigte.

Besonderer Dank galt hier dem Stader Tageblatt als kooperierende Lokalpresse, Herrn Krusemark und Herrn Sandrock als ehemalige Schulleiter, welche das Athenaeum in ihrer Zeit nachhaltig weiterentwickelt und geprägt haben, sowie dem Landrat und dem Präsidenten der niedersächsischen Landesschulbehörde und nicht zuletzt den „Gönnern“ des Athenaeums, bei denen es sich um verschiedene ortsansässige Unternehmen handelt. Darüber hinaus hob er die unermüdliche Mitarbeit der Eltern hervor und richtete dabei besonderes Augenmerk auf die Kabuschka, die seit mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt die Schüler und Lehrer mit Mittagessen versorgt und nur durch den freiwilligen Einsatz zahlreicher Eltern leben kann. Nach einigen weiteren anerkennenden Worten an seinen ehemaligen Französischlehrer, der ihm als Lehrender mit seiner Zuneigung und Kompetenz Perspektiven gegeben habe, was neben den rein fachlichen Inhalten sehr wichtig sei, schloss der Schulleiter und ehemalige Athenaeer seine Rede mit einem Ausblick auf die Zukunft des Athenaeums und den Worten „Wir wollen nicht von der Vergangenheit Abstand nehmen, sondern von ihr lernen.“ So solle die Schule an die Zeit angepasst werden oder ihr sogar voraus sein, um alle gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen zu meistern.
Nach der Einstiegsrede des Schulleiters trat einer der „besonderen“ Gäste ans Rednerpult, Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die viel Lob über das Athenaeum vergoss. In ihrer Rede bedankte sie sich gleich zu Anfang für die geleistete Arbeit aller Lehrerinnen und Lehrer, der Mitarbeiter und der Eltern in den letzten Jahren. Heiligenstadt, die die Zusage ihres Vorgängers übernommen hatte und ihren Besuch als Vertretung der Landesregierung als Selbstverständlichkeit ansah, sprach dem Athenaeum ihre „ausdrückliche Anerkennung“ aus. Sie lobte insbesondere die Erfolge in der Inklusion und hob ergänzend die schuleigene Bibliothek mit 45.000 Bänden und die Sternwarte positiv hervor. Sie bemerkte, dass sich das Athenaeum gegen andere Schulen mehr als behaupte und es einen guten Ruf, welcher sogar im südlichen Niedersachsen zu vernehmen sei, genieße. So sei es auch zu erklären, dass das Athenaeum bei der nun sieben Jahre zurückliegenden letzten Schulinspektion ein „Gut“ erhielt, unter anderem weil es ein gutes Angebot für die Schülerinnen und Schüler vorweisen könne. Das größte Lob allerdings folgte anschließend, als die Ministerin resümierte, dass sie sich genau so Schule vorstelle: mit gutem Unterricht, Solidarität und Engagement. Sie sei sich sicher, dass das Athenaeum auch in Zukunft den Bildungsauftrag vollständig erfüllen werde. Zum Ende hin wurde sie politisch und griff die anstehende Diskussion über die gymnasiale Schulform in Niedersachsen auf, wobei sie mehrmals die Dialogbereitschaft der neu gewählten Regierung betonte. Ihre Rede schloss sie mit einem Zitat von Hegel ab: „Der Mensch ist, was der Mensch sein soll, erst durch Bildung.“
Es schlossen sich die Grußworte des Landrats Michael Roesberg an, den Herr Horn zuvor in „seiner Immobilie“ begrüßt hatte. Roesberg gratulierte der Schule, die ein Spiegelbild der deutschen Geschichte sei, in seiner Funktion als Schulträger und Landrat. Dabei machte er auch auf die stetigen Herausforderungen für den Schulträger wie zum Beispiel die langzeitige Raumnot, die Pavillons oder das ehemalige Lehrschwimmbecken, in dem der Hausmeister Gerüchten zufolge am Wochenende seine Hunde gebadet haben soll, aufmerksam. Die Beruhigung folgte sogleich, denn der Hausmeister habe gar keine Hunde besessen. Nichtsdestotrotz habe das Lehrschwimmbecken seinerzeit oft für Klagen von Eltern bezüglich der Hygiene gesorgt, so Roesberg. Weiter betonte er, dass sich nun sicherlich alle freuen würden, wenn im Herbst die letzten Handwerker abzögen und alle Gebäudeteile wieder komplett nutzbar seien. Als Besonderheiten der Schule lobte er unter anderem die Sternwarte, den Schulgarten und die Kabuschka. Auch Herr Roesberg ließ seine Rede mit einem positiven Ausblick auf die Zukunft enden. Die gesamten Akteure, die sich tagtäglich für ihre Schule engagierten, sehe er hierbei als die treibende Kraft an. „Ich kann dieser Schule einen rundum guten Geist attestieren“, ließ er abschließend verlauten.
Anschließend sprach Dr. Jutta Neemann, die Schulleiterin des Vincent-Lübeck-Gymnasiums. Sie betonte in ihrer Rede besonders die enge Kooperation der zwei Stader Gymnasien, welche in den letzten Jahren noch mehr zugenommen habe, besonders unter dem letzten Schulleiter des Athenaeums, Hermann Krusemark. Sie beschrieb die Kooperation als etwas „ganz Besonderes und so nicht Normales“. Sie sei vor allem in der Oberstufe zu spüren, wo Schüler und Schülerinnen in gemeinsamen Kursen auf grundlegendem wie erhöhtem Niveau gut zusammenarbeiten würden. Zudem nähmen VLG-Schüler am Frankreichaustausch des Athenaeums teil und man helfe sich oft aus, wie zum Beispiel beim im letzten Schuljahr am Athenaeum entstandenen Wasserschaden. So sieht sie das Jubiläum auch als gemeinsame Präsentation beider Gymnasien, welche „gemeinsam einen Weg beschreiten“.
Bei einer solch alten Schule durfte natürlich die Geschichte nicht fehlen. Im Falle des Athenaeums gilt in diesem Gebiet Winfried Hollmichel als besonders kundig, aus welchem Grunde er auch die entsprechende Rede hielt. Er machte - ausdrücklich ohne die Absicht, das Jubiläum „vermiesen“ zu wollen, - darauf aufmerksam, dass im Jahre 1588 (also vor 425 Jahren) die bisherige Lateinschule zwar vom Stader Rat zu einem Gymnasium erweitert worden sei, es sich jedoch auch vorher schon um eine Schule gehandelt habe, deren Entstehungsdatum nur nicht genau bekannt sei. Fakt ist jedoch, dass es sich um eine der ältesten Schulen Norddeutschlands mit einer außergewöhnlich wechselvollen Geschichte handelt, welche Herr Hollmichel eingehend darstellte.
Für einen musikalischen Einschub sorgte Felix Bock, Ehemaliger der jüngsten Generation (Abiturjahrgang 2013), der Stücke von Schubert zum Besten gab. Am Klavier wurde er von Herrn Warnat begleitet. Das Publikum reagierte mit tosendem Beifall.
Als letzter Redner stand der bekannte Publizist und ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust auf dem Programm, welcher im Zuge der Vortragsreihe zum Jubiläum schon im April das Athenaeum besucht hatte. In seiner ausschweifenden Rede erzählte er vor allem aus seinem eigenen Leben und von seinen persönlichen Erfahrungen am Athenaeum, wobei er das Publikum immer wieder mit seinem Humor erheiterte. Er leitete seinen Beitrag mit einer Anekdote aus seiner eigenen Schulzeit ein. Als er sich nämlich zur 375-Jahr-Feier in der damaligen Schülerzeitung „Wir“ negativ zum Jubiläum äußerte, hatte dies den Verlust seines schulinternen Postens und die geplante Einführung einer Zensur der Schülerzeitung zur Folge, wogegen er sich wehrte. Fortan verkaufte er die Schülerzeitung außerhalb des Schulgeländes auf der gegenüberliegenden Straßenseite, was ihm auch seinen ersten Fernsehauftritt bescherte. So sei es für ihn belustigend, die Festansprache zum 425-jährigen Jubiläum halten zu dürfen. Aust hob die Schule als eine Institution hervor, die die Schüler nicht zu Untertanen erziehe, sondern ihnen Mut verleihe. Dies machte er wieder an einem eigenen Beispiel fest, indem er von seinem Verhalten gegenüber der „Obrigkeit“, also den Lehrern und Lehrerinnen, berichtete. Im Zuge der 68er Bewegung habe er sich zunehmend widerspenstig und frech in der Schule verhalten, sodass er Backpfeifen und Ähnliches einsteckten musste und so Courage erlernte. „Wenn Lehrer alles durchgehen ließen, kann sich kein Oppositionsgeist entwickeln“, so Aust. "Manchmal könne konservative Erziehung auch das Gegenteil bewirken". Das Athenaeum habe Aust entscheidend geprägt und das Gymnasium spiele eine große Rolle im Leben, meinte er. Bildung sei nicht nur das Lernen und Einprägen von Fakten, wie sein Beispiel zeige. Damals habe er im Lateinunterricht deutsche Grammatik verstanden, in Mathematik logisches Denken erlernt und in Physik erfahren, „was die Welt zusammenhält“. Er bezeichnete die Schulzeit als eine wegweisende Zeit im Leben, deswegen sei Schule so wichtig. Fast jede Weichenstellung in seinem Leben gehe aufs Athenaeum zurück.
Im zweiten Teil seiner Rede kritisierte er den Umgang mit der Schulform Gymnasium. So sei die Schule zu einem „Experimentierfeld für Weltverbesserer“ geworden und G8 trage seinen Teil dazu bei. Die Nachhilfekosten für Schulgänger seien extrem gestiegen, es habe sich sogar ein richtiges Nachhilfebusiness entwickelt. Seiner Meinung nach sei G8 eine als Bildungsreform verkaufte gewaltige Sparmaßnahme. Trotz allem nannte er das deutsche Gymnasium die Schule mit der besten Wissenspalette und wies auf bereits erfolgte Fortschritte, wie die Tatsache, dass mittlerweile die Hälfte eines Jahrgangs das Abitur ablege, hin.
Zum Abschluss folgte die Danksagung von Wolfgang Horn. Allen Beteiligten, die das Athenaeum zu dem machen und gemacht haben, was es jetzt ist, ließ er Dankesworte zukommen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass das Athenaeum mit 36 Arbeitsgemeinschaften, einem motivierten und engagierten Kollegium sowie ab dem kommenden Jahr einem Ganztagsangebot eine sehr weit entwickelte und gut aufgestellte Schule sei. „Attraktiv wollen wir sein, mit einem hohen Entwicklungspotenzial“, betonte er. „Das Gymnasium muss sich der Konkurrenz anderer Schulformen stellen, aber nicht durch nachmachen, sondern durch spannende Angebote für Leben und Lernen“, fügte er abschließend hinzu und wünschte allen Anwesenden einen schönen Nachmittag an diesem sommerlichen Tag.

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