Die Halle neun auf dem Messegelände in Hannover ist ein
gewöhnlicher Vertreter ihrer Art. Ein geschwungenes Dach,
Glasfassaden und viel Stahl, passend zu den anderen Gebäuden auf
dem Expo-Gelände. Doch für neun Tage verwandelte sich die
gewöhnliche Messehalle in das größte Klassenzimmer der Welt und wir
waren mittendrin.
Unser Alltag als Messeaussteller beginnt morgens um halb neun. Eine
halbe Stunde bevor die ersten Besucher in die Halle strömen, sind
wir schon an unserem Stand und bauen das auf, was über Nacht lieber
eingeschlossen wurde. Noch sind nur Aussteller, gut zu erkennen an
ihrem orangen Schild, das sie als solche ausweist, auf dem Gelände
zu sehen, oft genau wie wir mit dem Aufbau beschäftigt, andere
stehen mit ihren Kollegen zusammen und reden, oder trinken den,
spätestens nach einigen Messetagen dringend benötigten, Kaffee.
Auch wir stellen, zwischen großen Firmen wie VW oder Siemens,
unsere Idee auf der Ideenexpo aus. Mit dem Projekt einer
fokussierenden Solaranlage, die Solarzellen der dritten Generation
mit besonders hohem Wirkungsgrad verwendet, immer nach der
aktuellen Sonnenposition ausgerichtet wird und durch sich
erhitzendes Kühlwasser noch Thermische Energie erzeugt, haben wir
es in das größte Klassenzimmer der Welt, wie die Veranstalter die
Ideenexpo gerne nennen, geschafft. Nach diversen
Qualifikationsrunden sind wir nun im Rahmen des „Ideenfang“
Wettbewerbes zusammen mit 25 anderen Projekten im Finale und können
die Idee neun Tage lang einem großen Publikum präsentieren. Vom
Marshmallow-Toaster über eine biologische Alternative zu
gewöhnlichen Kunststoffen bis hin zu Thermogeneratoren reichen die
Ideen unserer Mitaussteller.
Schon nach wenigen Stunden wird einem klar, dass so ein Leben als
Aussteller nicht immer einfach ist. Erklären, Lächeln, immer
freundlich bleiben und sich dabei mit einem Publikum, dass von
desinteressierten Schüler bis hin zum Physiklehrer, der eh alles
besser weiß, reicht, herumschlagen, so lässt sich der Alltag als
Messeaussteller zusammenfassen. Und der steckt einem nach
spätestens drei Tagen schon in den Knochen. Die bei den Besuchern,
vor allem den jüngeren, beliebten Fragen wie „Was kann man hier
gewinnen?“,oder „Was bekommt man hier?“ tragen auch nicht unbedingt
zur Entspannung bei. Aber jedes Lob interessierter Besucher
entschädigte etwas für die Arbeit, die hinter so einer Messe steht.
Viele bekannte Firmen aus dem technischen oder
naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch der NDR, Medienpartner
der Ideenexpo, sind auf der Messe vertreten. Sie alle werben um den
dringend gesuchten Nachwuchs für ihr Unternehmen, und überall, so
schient es, warten großartige Karrierechancen. Von der klassischen
Ausbildung bis hin zu einem dualen Studium, bei dem der Arbeitgeber
das Studium bezahlt und der Student gleich Praxiserfahrung sammeln
kann, bieten die Firmen einiges an. Denn vor dem Hintergrund des
drohenden Fachkräftemangels sind qualifizierte Arbeitskräfte ein
knappes Gut, um das man werben muss. Junge Mitarbeiter der
Unternehmen, oft selbst noch Auszubildende oder duale Studenten,
stellen ihren Arbeitgeber und die Karrierechancen dort vor,
berichten von ihren Erfahrungen und drücken einem Flyer und
Werbegeschenke in die Hand. Interaktive Exponate und Stationen zum
Mitmachen sollen dafür sorgen, dass die Firma auch ganz sicher im
Gedächtnis der jüngeren Besucher, die ihre Berufswahl noch vor sich
haben, bleibt.
Unser Tag endet schließlich um halb Sieben abends. Nach einem
Abendessen in der benachbarten Halle acht, die in den neun Tagen
Messe mit Mittagessen, Kaffee und Büffet am Abend die Versorgung
der Messeaussteller sicherstellte, geht es nach einem anstrengenden
Tag zurück ins Hotel, das uns über die neun Messetage beheimatete.
Trotz aller großen und kleinen Herausforderungen, vor die uns die
Messe stellte, oder gerade deswegen, hat es uns allen großen Spaß
gemacht. Seine Idee auf einer Messe einem großen Publikum zu
präsentieren ist auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben, und wer
weiß, vielleicht haben wir im größten Klassenzimmer der Welt
unseren zukünftigen Job kennen gelernt.
Im größten Klassenzimmer der Welt
von Julius Kamper



