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  1. 2013

Im größten Klassenzimmer der Welt

von Julius Kamper

Die Halle neun auf dem Messegelände in Hannover ist ein gewöhnlicher Vertreter ihrer Art. Ein geschwungenes Dach, Glasfassaden und viel Stahl, passend zu den anderen Gebäuden auf dem Expo-Gelände. Doch für neun Tage verwandelte sich die gewöhnliche Messehalle in das größte Klassenzimmer der Welt und wir waren mittendrin.
Unser Alltag als Messeaussteller beginnt morgens um halb neun. Eine halbe Stunde bevor die ersten Besucher in die Halle strömen, sind wir schon an unserem Stand und bauen das auf, was über Nacht lieber eingeschlossen wurde. Noch sind nur Aussteller, gut zu erkennen an ihrem orangen Schild, das sie als solche ausweist, auf dem Gelände zu sehen, oft genau wie wir mit dem Aufbau beschäftigt, andere stehen mit ihren Kollegen zusammen und reden, oder trinken den, spätestens nach einigen Messetagen dringend benötigten, Kaffee.
Auch wir stellen, zwischen großen Firmen wie VW oder Siemens, unsere Idee auf der Ideenexpo aus. Mit dem Projekt einer fokussierenden Solaranlage, die Solarzellen der dritten Generation mit besonders hohem Wirkungsgrad verwendet, immer nach der aktuellen Sonnenposition ausgerichtet wird und durch sich erhitzendes Kühlwasser noch Thermische Energie erzeugt, haben wir es in das größte Klassenzimmer der Welt, wie die Veranstalter die Ideenexpo gerne nennen, geschafft. Nach diversen Qualifikationsrunden sind wir nun im Rahmen des „Ideenfang“ Wettbewerbes zusammen mit 25 anderen Projekten im Finale und können die Idee neun Tage lang einem großen Publikum präsentieren. Vom Marshmallow-Toaster über eine biologische Alternative zu gewöhnlichen Kunststoffen bis hin zu Thermogeneratoren reichen die Ideen unserer Mitaussteller.
Schon nach wenigen Stunden wird einem klar, dass so ein Leben als Aussteller nicht immer einfach ist. Erklären, Lächeln, immer freundlich bleiben und sich dabei mit einem Publikum, dass von desinteressierten Schüler bis hin zum Physiklehrer, der eh alles besser weiß, reicht, herumschlagen, so lässt sich der Alltag als Messeaussteller zusammenfassen. Und der steckt einem nach spätestens drei Tagen schon in den Knochen. Die bei den Besuchern, vor allem den jüngeren, beliebten Fragen wie „Was kann man hier gewinnen?“,oder „Was bekommt man hier?“ tragen auch nicht unbedingt zur Entspannung bei. Aber jedes Lob interessierter Besucher entschädigte etwas für die Arbeit, die hinter so einer Messe steht.
Viele bekannte Firmen aus dem technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch der NDR, Medienpartner der Ideenexpo, sind auf der Messe vertreten. Sie alle werben um den dringend gesuchten Nachwuchs für ihr Unternehmen, und überall, so schient es, warten großartige Karrierechancen. Von der klassischen Ausbildung bis hin zu einem dualen Studium, bei dem der Arbeitgeber das Studium bezahlt und der Student gleich Praxiserfahrung sammeln kann, bieten die Firmen einiges an. Denn vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sind qualifizierte Arbeitskräfte ein knappes Gut, um das man werben muss. Junge Mitarbeiter der Unternehmen, oft selbst noch Auszubildende oder duale Studenten, stellen ihren Arbeitgeber und die Karrierechancen dort vor, berichten von ihren Erfahrungen und drücken einem Flyer und Werbegeschenke in die Hand. Interaktive Exponate und Stationen zum Mitmachen sollen dafür sorgen, dass die Firma auch ganz sicher im Gedächtnis der jüngeren Besucher, die ihre Berufswahl noch vor sich haben, bleibt.
Unser Tag endet schließlich um halb Sieben abends. Nach einem Abendessen in der benachbarten Halle acht, die in den neun Tagen Messe mit Mittagessen, Kaffee und Büffet am Abend die Versorgung der Messeaussteller sicherstellte, geht es nach einem anstrengenden Tag zurück ins Hotel, das uns über die neun Messetage beheimatete.
Trotz aller großen und kleinen Herausforderungen, vor die uns die Messe stellte, oder gerade deswegen, hat es uns allen großen Spaß gemacht. Seine Idee auf einer Messe einem großen Publikum zu präsentieren ist auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben, und wer weiß, vielleicht haben wir im größten Klassenzimmer der Welt unseren zukünftigen Job kennen gelernt.

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