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  1. 2013

Kälteschock für Kenianerin

Während in Deutschland der Winter immer näher kommt und sich die Temperaturen langsam aber sicher dem Gefrierpunkt nähern, sinken diese in Kenia selbst in den Wintermonaten Juni und Juli selten unter zehn Grad. So erlebte Patrolinah (genannt Linah) Wakungi, Deutschlehrerin in Kenia und im Moment als Hospitations-Lehrerin am Athenaeum, einen kleinen Kälteschock, als sie im herbstlichen Deutschland ankam.

Sprachlich begabt ist die 28-Jährige Lehrerin auf jeden Fall. Denn neben ihrer Stammessprache Kamba spricht sie auch Suaheli, Englisch, Japanisch und natürlich Deutsch, das sie an der Mvita Boys Secundary School im Mombasa unterrichtet. Doch von den 600 Schülern an der reinen Jungenschule sind nur wenige als Anfänger in ihrem Deutschkurs, denn viele würden lieber Arabisch oder Französisch wählen, erzählt Linah. Englisch ist neben Suaheli und den vielen Stammessprachen eine der offiziellen Sprachen, ein Erbe aus der Zeit, als Kenia noch eine englische Kolonie war.

Dass Deutsch an ihrer Schule nicht so beliebt ist wie beispielsweise Französisch, könnte laut Linah auch daran liegen, dass diese Sprache in ihrem Heimatland nicht als die Einfachste gilt. Zum Beispiel gäbe es im Deutschen im Gegensatz zu anderen Sprachen Fälle, eine unlogische Mehrzahlbildung und viele Personalpronomen, die das Lernen der Sprache nicht einfach machen. Als Austauschlehrerin ist Linah nun für drei Wochen in Deutschland, um ihre Kenntnisse in der Sprache zu verbessern und ihrem Ziel, deutsche Dozentin an einer Universität in Kenia zu werden, etwas näher zu kommen. Dafür seien auch Auslandsaufenthalte wichtig, erklärt die Deutschlehrerin.

Die mindestens vierjährige Universität ist der letzte Teil des kenianischen Schulsystems mit acht Jahren Primarschule und vier weiteren Jahren Sekundarschule. Während die erstgenannte für alle Kinder kostenlos ist, kostet die Sekundarschule bis zu umgerechnet 500 Euro pro Jahr - vor allem für kenianische Verhältnisse sehr viel Geld, das nicht alle Eltern aufbringen können. Und wer nicht bezahlen kann, dem bleibt auch eine Bildung über die Primarschule hinaus verwehrt. Außerdem gibt es, anders als in Deutschland, keine Ausbildung nach der Schule. Um einen guten Beruf zu finden müsse man zur Universität gegangen sein, erklärt Frau Wakungi. Doch das Schulsystem biete in ihren Auge auch einige Vorteile, zum Beispiel fände sie es gut, dass die Schüler zusammen unterrichtet würden und nicht wie in Deutschland nach vier Jahren Grundschule auf getrennte weiterführende Schulen verteilt werden.

Allgemein fallen Linah einige Unterschiede zwischen ihrer Schule und dem Athenaeum auf. In Kenia seien die Klassen mit bis zu 70 Schülern viel größer, was auch daran liege, dass in Kenia auf einen Lehrer durchschnittlich 100 Schüler kommen. Die 600 Jungen an ihrer Schule sind außerdem alle einheitlich gekleidet, denn wie jede Schule hat auch die Mvita Boys Secundary School eine Schuluniform, in Mombasa ist diese komplett weiß. Außerdem gebe es an ihrer Schule, ähnlich wie in den USA, viele Clubs und Sportarten für die verschiedenen Interessen der Schüler. Auch Streiks der Lehrer seien in Kenia keine Seltenheit, erklärt sie, denn Lehrer würden, verglichen mit anderen Ländern, eher wenig verdienen und große Klassen unterrichten müssen.

Obwohl es ursprünglich nicht ihr Traum war, Lehrerin zu werden, hat sie diesen Beruf inzwischen lieben gelernt. Wenn sie nach drei Wochen in Deutschland nach Kenia zurückkehrt, möchte sie weiter an ihrem Ziel arbeiten, deutsche Dozentin an einer Uni zu werden. Das ist zwar nicht so einfach, aber als Deutschlehrerin für Anfänger stehen ihre Chancen nicht schlecht, eines Tages Vorlesungen auf Deutsch zu halten.

Julius Kamper von den Jugendreportern bedankt sich für das Interview.

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