Während in Deutschland der Winter immer näher kommt und sich die
Temperaturen langsam aber sicher dem Gefrierpunkt nähern, sinken
diese in Kenia selbst in den Wintermonaten Juni und Juli selten
unter zehn Grad. So erlebte Patrolinah (genannt Linah) Wakungi,
Deutschlehrerin in Kenia und im Moment als Hospitations-Lehrerin am
Athenaeum, einen kleinen Kälteschock, als sie im herbstlichen
Deutschland ankam.
Sprachlich begabt ist die 28-Jährige Lehrerin auf jeden Fall. Denn
neben ihrer Stammessprache Kamba spricht sie auch Suaheli,
Englisch, Japanisch und natürlich Deutsch, das sie an der Mvita
Boys Secundary School im Mombasa unterrichtet. Doch von den 600
Schülern an der reinen Jungenschule sind nur wenige als Anfänger in
ihrem Deutschkurs, denn viele würden lieber Arabisch oder
Französisch wählen, erzählt Linah. Englisch ist neben Suaheli und
den vielen Stammessprachen eine der offiziellen Sprachen, ein Erbe
aus der Zeit, als Kenia noch eine englische Kolonie war.
Dass Deutsch an ihrer Schule nicht so beliebt ist wie
beispielsweise Französisch, könnte laut Linah auch daran liegen,
dass diese Sprache in ihrem Heimatland nicht als die Einfachste
gilt. Zum Beispiel gäbe es im Deutschen im Gegensatz zu anderen
Sprachen Fälle, eine unlogische Mehrzahlbildung und viele
Personalpronomen, die das Lernen der Sprache nicht einfach machen.
Als Austauschlehrerin ist Linah nun für drei Wochen in Deutschland,
um ihre Kenntnisse in der Sprache zu verbessern und ihrem Ziel,
deutsche Dozentin an einer Universität in Kenia zu werden, etwas
näher zu kommen. Dafür seien auch Auslandsaufenthalte wichtig,
erklärt die Deutschlehrerin.
Die mindestens vierjährige Universität ist der letzte Teil des
kenianischen Schulsystems mit acht Jahren Primarschule und vier
weiteren Jahren Sekundarschule. Während die erstgenannte für alle
Kinder kostenlos ist, kostet die Sekundarschule bis zu umgerechnet
500 Euro pro Jahr - vor allem für kenianische Verhältnisse sehr
viel Geld, das nicht alle Eltern aufbringen können. Und wer nicht
bezahlen kann, dem bleibt auch eine Bildung über die Primarschule
hinaus verwehrt. Außerdem gibt es, anders als in Deutschland, keine
Ausbildung nach der Schule. Um einen guten Beruf zu finden müsse
man zur Universität gegangen sein, erklärt Frau Wakungi. Doch das
Schulsystem biete in ihren Auge auch einige Vorteile, zum Beispiel
fände sie es gut, dass die Schüler zusammen unterrichtet würden und
nicht wie in Deutschland nach vier Jahren Grundschule auf getrennte
weiterführende Schulen verteilt werden.
Kälteschock für Kenianerin


Allgemein fallen Linah einige Unterschiede zwischen ihrer Schule
und dem Athenaeum auf. In Kenia seien die Klassen mit bis zu 70
Schülern viel größer, was auch daran liege, dass in Kenia auf einen
Lehrer durchschnittlich 100 Schüler kommen. Die 600 Jungen an ihrer
Schule sind außerdem alle einheitlich gekleidet, denn wie jede
Schule hat auch die Mvita Boys Secundary School eine Schuluniform,
in Mombasa ist diese komplett weiß. Außerdem gebe es an ihrer
Schule, ähnlich wie in den USA, viele Clubs und Sportarten für die
verschiedenen Interessen der Schüler. Auch Streiks der Lehrer seien
in Kenia keine Seltenheit, erklärt sie, denn Lehrer würden,
verglichen mit anderen Ländern, eher wenig verdienen und große
Klassen unterrichten müssen.
Obwohl es ursprünglich nicht ihr Traum war, Lehrerin zu werden, hat
sie diesen Beruf inzwischen lieben gelernt. Wenn sie nach drei
Wochen in Deutschland nach Kenia zurückkehrt, möchte sie weiter an
ihrem Ziel arbeiten, deutsche Dozentin an einer Uni zu werden. Das
ist zwar nicht so einfach, aber als Deutschlehrerin für Anfänger
stehen ihre Chancen nicht schlecht, eines Tages Vorlesungen auf
Deutsch zu halten.
Julius Kamper von den Jugendreportern bedankt sich für das
Interview.



