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Nachgedacht über...

...E-Learning: Die digitale Zukunft des Lernens


von Julius Kamper

Jeder zweite Deutsche besitzt ein Smartphone, Einkaufen im Internet ist zur Normalität geworden und in einigen Firmen wird nur noch das Allernötigste auf Papier bearbeitet. Was vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war, ist inzwischen zu Realität geworden. Nun scheint diese Digitalisierung auch so langsam die Schulen zu erreichen: Die alte Tafel wird immer mehr durch das Whiteboard ersetzt, Nachhilfe-Videos im Internet boomen und große Softwarehersteller wie Google oder Microsoft kämpfen um die digitale Vorherrschaft in den Klassenräumen.
“Stammfunktion - einfach erklärt von den ,simple maths’“. So oder so ähnlich beginnen die Videos des Youtubekanals „The simple maths“. Wie der Name schon sagt, findet man dort kleine Unterrichtsvideos zu vielen Themen rund um die Mathematik. Gut verständlich und mit ein wenig Humor erklären die Macher in nur wenigen Minuten die Geheimnisse der Mathematik. Kanäle wie diesen gibt es viele: Sie erklären Formeln aus Physik, geben Nachhilfe in Biologie oder helfen bei der Interpretation von Klassikern aus dem Deutschunterricht. „The simple maths“ bringt es auf über 100.000 Abonnenten und fast sechs Millionen Gesamtaufrufe. Das ist zwar im Youtube-Kosmos nicht wirklich viel, dass sich auf einer von Unterhaltungsvideos regierten Plattform so viele Leute die Lernvideos ansehen, zeigt aber, wie viel Potential in diesem Markt steckt.
Auch die großen Softwarekonzerne haben längst erkannt, welche Möglichkeiten das Geschäft mit dem digitalen Lernen bietet. „Classroom“ heißt beispielsweise Googles Versuch, seine Produkte in den Klassenräumen zum Einsatz zu bringen. Alle Aufgaben und Unterrichtsmaterialien lassen sich dabei an einem zentralen Ort sammeln, auf den alle Kursteilnehmer Zugriff haben - selbstverständlich alles digital und ohne Papier. Andere Hersteller wie Microsoft oder Adobe haben ähnliche Produkte auf den Markt gebracht. Außerhalb der Schule haben sich digitale Lernangebote schon etabliert: Mussten die Fahrschüler beispielsweise früher noch reihenweise Papierbögen ausfüllen, um für die theoretische Prüfung zu lernen, greifen viele Fahrschulen heutzutage auf Apps und Online-Trainings zurück. Der Fahrlehrer hat dabei Zugriff auf die Daten seiner Schüler und kann sehen, wer genug für die Prüfung gepaukt hat.
Während das so genannte E-Learning in der Schule hierzulande noch auf seinen großen Durchbruch wartet, ist man anderswo schon weiter. So berichtete „süddeutsche.de“ in der vergangenen Woche beispielsweise über Cha Kil-yong, Gründer der E-Learning-Plattform „sevenedu.net“. Der Mathelehrer aus Südkorea ist durch das Angebot nicht nur landesweit bekannt und für viele Schüler unersetzlich geworden, sondern auch Millionär. Mit seinen Kursen, in die sich die Schüler online einbuchen können, soll er allein im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 6,6 Millionen Euro verdient haben. Der Erfolg der Seite wird sicherlich auch durch das auf Durchpauken ausgelegte Schulsystem in Südkorea bedingt, das zwar laut PISA-Studie die weltweit besten, aber auf der anderen Seite auch viele überforderte Schüler hervorbringt. Konkurrenzkampf und Versagensängste sind die Folge. Cha Kil-yong verdient sein Geld mit dieser unschönen Seite des Bildungssystems.
Und am Athenaeum? Wie sieht es hier mit dem Einsatz von elektronischen Lernmedien aus? Bereits seit ein paar Jahren werden die alten Tafeln nach und nach durch Whiteboards ersetzt. Das sieht nicht nur besser aus, sondern bietet auch einen Mehrwert für Schüler und Lehrer: Das Tafelbild der Stunde kann zum Beispiel als pdf-Datei gespeichert und später per Mail an die Schüler geschickt werden und mit Präsentationen kann der Lernstoff interessanter präsentiert werden als an der Tafel oder auf einem Blatt Papier.
E-Learning eröffnet viele neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und könnte sowohl das Lernen, als auch das Lehren verändern. Wir können gespannt sein, was die Zukunft noch so bringen wird.

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