Jeder zweite Deutsche besitzt ein Smartphone, Einkaufen im Internet
ist zur Normalität geworden und in einigen Firmen wird nur noch das
Allernötigste auf Papier bearbeitet. Was vor ein paar Jahren noch
unvorstellbar war, ist inzwischen zu Realität geworden. Nun scheint
diese Digitalisierung auch so langsam die Schulen zu erreichen: Die
alte Tafel wird immer mehr durch das Whiteboard ersetzt,
Nachhilfe-Videos im Internet boomen und große Softwarehersteller
wie Google oder Microsoft kämpfen um die digitale Vorherrschaft in
den Klassenräumen.
“Stammfunktion - einfach erklärt von den ,simple maths’“. So oder
so ähnlich beginnen die Videos des Youtubekanals „The simple
maths“. Wie der Name schon sagt, findet man dort kleine
Unterrichtsvideos zu vielen Themen rund um die Mathematik. Gut
verständlich und mit ein wenig Humor erklären die Macher in nur
wenigen Minuten die Geheimnisse der Mathematik. Kanäle wie diesen
gibt es viele: Sie erklären Formeln aus Physik, geben Nachhilfe in
Biologie oder helfen bei der Interpretation von Klassikern aus dem
Deutschunterricht. „The simple maths“ bringt es auf über 100.000
Abonnenten und fast sechs Millionen Gesamtaufrufe. Das ist zwar im
Youtube-Kosmos nicht wirklich viel, dass sich auf einer von
Unterhaltungsvideos regierten Plattform so viele Leute die
Lernvideos ansehen, zeigt aber, wie viel Potential in diesem Markt
steckt.
Auch die großen Softwarekonzerne haben längst erkannt, welche
Möglichkeiten das Geschäft mit dem digitalen Lernen bietet.
„Classroom“ heißt beispielsweise Googles Versuch, seine Produkte in
den Klassenräumen zum Einsatz zu bringen. Alle Aufgaben und
Unterrichtsmaterialien lassen sich dabei an einem zentralen Ort
sammeln, auf den alle Kursteilnehmer Zugriff haben -
selbstverständlich alles digital und ohne Papier. Andere Hersteller
wie Microsoft oder Adobe haben ähnliche Produkte auf den Markt
gebracht. Außerhalb der Schule haben sich digitale Lernangebote
schon etabliert: Mussten die Fahrschüler beispielsweise früher noch
reihenweise Papierbögen ausfüllen, um für die theoretische Prüfung
zu lernen, greifen viele Fahrschulen heutzutage auf Apps und
Online-Trainings zurück. Der Fahrlehrer hat dabei Zugriff auf die
Daten seiner Schüler und kann sehen, wer genug für die Prüfung
gepaukt hat.
Während das so genannte E-Learning in der Schule hierzulande noch
auf seinen großen Durchbruch wartet, ist man anderswo schon weiter.
So berichtete „süddeutsche.de“ in der vergangenen Woche
beispielsweise über Cha Kil-yong, Gründer der E-Learning-Plattform
„sevenedu.net“. Der Mathelehrer aus Südkorea ist durch das Angebot
nicht nur landesweit bekannt und für viele Schüler unersetzlich
geworden, sondern auch Millionär. Mit seinen Kursen, in die sich
die Schüler online einbuchen können, soll er allein im vergangenen
Jahr umgerechnet etwa 6,6 Millionen Euro verdient haben. Der Erfolg
der Seite wird sicherlich auch durch das auf Durchpauken ausgelegte
Schulsystem in Südkorea bedingt, das zwar laut PISA-Studie die
weltweit besten, aber auf der anderen Seite auch viele überforderte
Schüler hervorbringt. Konkurrenzkampf und Versagensängste sind die
Folge. Cha Kil-yong verdient sein Geld mit dieser unschönen Seite
des Bildungssystems.
Und am Athenaeum? Wie sieht es hier mit dem Einsatz von
elektronischen Lernmedien aus? Bereits seit ein paar Jahren werden
die alten Tafeln nach und nach durch Whiteboards ersetzt. Das sieht
nicht nur besser aus, sondern bietet auch einen Mehrwert für
Schüler und Lehrer: Das Tafelbild der Stunde kann zum Beispiel als
pdf-Datei gespeichert und später per Mail an die Schüler geschickt
werden und mit Präsentationen kann der Lernstoff interessanter
präsentiert werden als an der Tafel oder auf einem Blatt Papier.
E-Learning eröffnet viele neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und
könnte sowohl das Lernen, als auch das Lehren verändern. Wir können
gespannt sein, was die Zukunft noch so bringen wird.
Nachgedacht über...
...E-Learning: Die digitale Zukunft des Lernens
von Julius Kamper



