Wer kennt denn „Klappkaribik“ oder „Yolo“? Jugendreporter Julius
Kamper macht sich Gedanken über den Sinn der „Jugendwörter des
Jahres“.
Wir Jugendlichen sind für Erwachsene eine merkwürdige Spezies. Zwar
haben oder hatten viele von ihnen ein Exemplar zu Hause wohnen,
aber trotzdem scheinen sie wenig über diese zu wissen und von ihnen
zu verstehen. Dabei waren die meisten Erwachsenen sogar selber
einmal jung. Und irgendwann kommt die Phase, in der die Eltern und
alle anderen Erwachsenen anfangen nervig zu werden.
Man beginnt sich abzugrenzen. Das beginnt damit, dass man statt mit
der Familie mit seinen Freunden in den Urlaub fährt und endet
damit, dass man unter sich eine spezielle Sprache spricht. Da die
Erwachsenen kein Wort verstanden, trotzdem aber mitreden wollten,
versuchten sie mehr über die Jugendsprache herauszufinden. Also
riefen sie 2008 die Abstimmung zum „Jugendwort des Jahres“ ins
Leben. Die Jugendlichen sollten Wörter vorschlagen, die sie in
ihrem Sprachgebrauch benutzen.
Die 30 aus der anschließenden Internetabstimmung hervorgegangenen
Bergriffe mit den meisten Stimmen wurden einer Jury vorgelegt, die
dann den Sieger bestimmte. Endlich wussten die Erwachsenen etwas
anzufangen mit den Jugendwörtern. Trotzdem wurden alle jenseits der
25 schief angesehen, wenn sie im Gespräch mit Jugendlichen mit
„YOLO“ oder „Swag“ anfingen. Diese Begriffe sind übrigens die
Jugendwörter der Jahre 2011 beziehungsweise 2012. „YOLO“ ist eine
Abkürzung für „You only live once“, zu deutsch „Du lebst nur
einmal“ und ist, jedenfalls laut „Langenscheid“, eine Aufforderung,
Chancen zu nutzen. Also ist es gewissermaßen das moderne „carpe
diem“. Abgesehen davon, dass ich dieses Wort, bevor es Jugendwort
wurde, nie gehört habe, wird es oft in ganz anderem Zusammenhang
benutzt. Während eine Aufforderung, seine Chancen zu nutzen, etwas
positives ausdrückt, dient es vielen als Entschuldigung für alles.
Man baut Mist, sagt „YOLO“, und schon ist alles vergessen.
Immerhin wird dieses Wort wirklich, wenn auch erst nach seiner Wahl
zum Jugendwort, von Jugendlichen verwendet. Auch das Wort "Swag"
für besonders lässige Ausstrahlung verdankt seine Berühmtheit vor
allem der Wahl zum Jugendwort im Jahre 2011. Diese Worte werden
nach wie vor von Heranwachsenden benutzt. Andere Begriffe, wie
„Klappkaribik“ für Sonnenstudio oder „Gammelfleischparty“ für eine
Ü-30-Party waren nie wirklich populär. Trotzdem landeten sie auf
den vorderen Plätzen des Entscheids oder gewannen wie im Fall der
Party für nicht mehr ganz so frisches Fleisch sogar.
Da muss man sich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, ein
„Jugendwort des Jahres“ zu bestimmen. Außerdem gibt es manche
Wörter oder Ausdrücke, die nur regional bekannt sind oder verwendet
werden. Genau wie man in Bayern anders spricht als in Sachsen, sind
zum Beispiel an manchen Orten bestimmte Begriffe bei den
Jugendlichen in Mode, die woanders schon lange out sind. Auch haben
verschiedene Gruppen andere „Sprachen“, die Experten und
Deutschlehrer nennen so etwas Soziolekt. So lag beispielsweise bei
der Abstimmung zum Jugendwort des Jahres 2012 der Begriff „akk“ für
egal oder als Ersatzwort eindeutig auf Platz eins. Er wird vor
allem von der Essener Rap-Band „257ers“ genutzt, deren Fans wohl
zahlreich abstimmten. Den jugendlichen Jury-Mitgliedern war der
Ausdruck allerdings nicht bekannt, wodurch es „akk“ nicht zum
Jugendwort des Jahres brachte. Es wird wohl ein regional genutztes
Wort bleiben.
Man kann nicht ein Wort bestimmen, das als Jugendwort für die
Jugendlichen steht, denn jede Gruppe benutzt andere Wörter und auch
regional gibt es Unterschiede. Und außerdem, warum gibt es nur das
Jugendwort des Jahres? Dann müsste es auch das Kleinkinder-,
Erwachsenen- und Seniorenwort des Jahres geben.
Und das wäre wohl etwas zu viel der Sonderwörter.
Nachgedacht über...
... Jugendsprache



