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Nachgedacht über...

...Kinderstars

von Julius Kamper

"Ich bin ein Kind, holt mich hier raus!"

Nicht alle jungen Stars können mit dem schnellen Ruhm umgehen

Sie sind erfolgreich, sie sind beliebt, und vor allem sind sie eins: jung. Gemeint sind Kinderstars. Während Gleichaltrige normal zur Schule gehen oder sich mit Freunden treffen, leben sie ein komplett anderes Leben. Es besteht nicht aus Schulbus und Schulbank, sondern aus Flugzeug und Set, beziehungsweise Tonstudio. So jung schon so erfolgreich zu sein, bewirkt eine besondere Faszination, besonders auf Jugendliche gleichen Alters. Entweder hasst man sie, oder man liebt sie eben. Aber auf jeden Fall redet man über sie.

Kinder- oder Jugendstars lassen sich also sehr gut vermarkten, und das ist den Unterhaltungskonzernen dieser Welt nicht erst seit Justin Bieber bekannt, sondern schon seit über zwanzig Jahren. Denn was viele nicht wissen, ist, dass zum Beispiel Justin Timberlake oder auch Britney Spears ihren Karrierestart dem gleichen Konzern wie auch Mikey Mouse oder Donald Duck verdanken. Die beiden moderierten Anfang der 90er-Jahre den Mickey Mouse Club im Disney Channel und starteten daraufhin ihre musikalischen Karrieren und wurden zu Vorbildern für Miley Cyrus, Zack Afron und Selena Gomez, der nächsten Generation aus dem Hause Walt Disney. Und die Disney-Stars von heute werden wiederum zu Vorbildern für die nächste Generation und hängen als Poster in den Kinderzimmern dieser Welt. Zwar sind diese Stars heute schon junge Erwachsende, doch bei ihrem Karrierestart waren sie oft noch Kinder.

Für viele ist es ein Traum, berühmt zu sein, viel Geld zu haben und im Privatjet zu den Auftritten in den Metropolen der Welt zu fliegen. Zugegeben, das klingt auch spannender als vom Schulbus zu Schule im nächsten Ort gebracht zu werden und sich das Taschengeld mit Zeitung austragen aufzubessern, aber das Dasein als Star hat nicht nur gute Seiten. Alte Freunde kapseln sich oft ab, da die Neu-Stars einfach keine Zeit mehr für sie haben. An ihre Stelle treten "falsche Freunde", die einfach nur an dem Geld, oder wenigstens an etwas Rum interessiert sind. Außerdem ist es oft nicht einfach, aus dem normalen Leben hinaus gerissen zu werden und sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden. In vielen prominenten Fällen fiel dieses den jugendlichen Stars nicht leicht, wie zum Beispiel bei Michael Jackson, der Anfang der 70er- Jahre mit gerade einmal 13 Jahren als jüngstes Mitglied der Jackson Five zu Weltruhm gelangte. Sein Vater hatte ihn und seine Brüder bei vielen Talentwettbewerben zuvor zu Höchstleistungen angetrieben. Ihm als Kranführer war ein Leben als Star verwehrt gewesen und da seine Kinder nun berühmt waren, versuchte er selber an Ruhm zu kommen, anstatt Michael und seine Geschwister zu unterstützen.

Ein paar Jahre nachdem Michael Jackson den Grundstein für seine Karriere als einer der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten gelegt hatte, wurde eine andere Jugendliche wortwörtlich über Nacht zum Weltstar. Die Rede ist von Drew Barrymore, damals vielen besser in ihrer Rolle als Gertie in Steven Spielbergs Film E.T. bekannt. Für die damals Siebenjährige bedeutete diese Rolle ihren Durchbruch als Schauspielerin und eine radikale Veränderung in ihrem Leben. Sie hatte zwar vorher schon in Werbespots und Fernsehfilmen mitgewirkt, doch die Berühmtheit, die sie durch E.T. erlangte, war ein ganz anderes Kaliber. Es folgten viele weitere Rollen, von denen ihr eine sogar die Nominierung für den Golden Globe, nach dem Oscar der zweitwichtigste Filmpreis, einbrachte. Doch neben dem schnellen Rum bekam sie auch die andere Seite des Daseins als Star zu spüren. Sie betrank sich mit neun Jahren auf der Geburtstagsparty eines Schauspielerkollegen, rauchte ein Jahr später ihren ersten Joint und schnupfte mit zwölf das erste Mal Kokain. Die High-School musste sie frühzeitig abbrechen, und der Drogen- und Alkoholkonsum brachte ihr Aufenthalte in Entzugs- und Nervenkliniken ein. Ihre Karriere schien am Ende zu sein, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. In ihrer Autobiografie, die sie 1990 mit gerade einmal 15 Jahren veröffentlichte, schrieb sie neben ihren Erfahrungen sogar über einen gescheiterten Selbstmordversuch. Nach überstandener Therapie und überwundenen Alkohol- und Drogenproblemen vollzog sie einen Imagewechsel und gelangte wieder durch schauspielerische Leistung in die Schlagzeilen.

Ihre Lebensgeschichte ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles toll ist in einem Leben als Star. Es ist eine große Umstellung, die viel Stress, besonders für so junge Promis wie einst Drew Barrymore, bedeutet. Oft gehören Alkohol- und Drogenmissbrauch genauso dazu wie Auftritte und das Geld. Auch wenn man es als Teenager nicht gerne hört, berühmt kann man auch später noch werden.

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