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 "Mythos Athenaeum" - Klanglandschaft Athe

Sandeep Bhagwati hat Routine in der Zusammenarbeit mit Schülern. Er ist Komponist und Direktor eines Instituts für interkulturelle Kunst in Montreal. Er kann Bauten, Gänge und Gärten in Klangräume verwandeln - und wird genau das mit dem Athenaeum tun. Zum 425-jährigen Bestehen des Gymnasiums 2013 macht Sandeep Bhagwati Erinnerungen, Gerüche, Geräusche und Anekdoten zur Musik-Kunst-Installation.
Am 15. Juni 2013 werden Besucher das Experiment in der Schule selbst erleben, bei zwei Festkonzerten am 16. Juni im Stadeum Teile daraus hören. 
Bhagwati (Sohn deutsch-indischer Eltern) ist ein ehemaliger Schüler des Athenaeums und gehört zu den vielen "namhaften" Ehemaligen, die das Jubiläumsprogramm bestreiten.  Die Zusammenarbeit mit dem multimedial tätigen Komponisten Sandeep Baghawati ist schon ein besonderes Ereignis. Weil der 49-Jährige für eine geraume Zeit in Berlin wirkt, kann er seine alte Schulstätte in Stade mehrfach besuchen. Gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen sowie Lehrkräften begibt er sich auf Spurensuche im Altbau. Wie erleben sie das Athenaeum atmosphärisch? Wie riecht es, wie hört es sich an, wenn Stifte kratzen, Chorgruppen singen, Schüler in den Pausen lärmen, Bäume im Hof rascheln? Was für Geschichtliches und Geschichten gab es?

Wer seinerzeit auf das Athenaeum ging und mit einer Erinnerung beitragen kann, konnte seine Erinnerungen übermitteln. Die Beiträge fließen dann ein in die fächerübergreifende Performance "Schule lebt und klingt" mit Lesungen, Endlos-Filmschleifen, Textbändern, Tanzchoreographien und Klangcollagen. Beteiligt werden sollen auch Musikstudenten und Referendare des Studienseminars.

   Unser Dank geht an die Sponsoren dieses Projekts:

Installieren, Kreieren, Komponieren, Aufnehmen, Schneiden, Verwerfen, Hören...
Schon von Ferne hören die Athe-Reporter in der Keimzelle ungewohnte Klänge über den Flur schallen. Dann kommen noch Lieder hinzu, aber sie sind nicht so richtig zu erkennen, irgendwie anders, langsamer, nicht die altbekannten Lieder, wie wir sie sonst hören. Danach ist es wieder völlig ruhig in dem mit über 40 Schülern gefüllten Raum.
Das macht neugierig und wir schauen nach:
Herr Baghwati erzählt. Er beschreibt eine Erinnerung aus seiner eigenen Schulzeit. Er tut das mit vielen Details und er beschreibt dabei auch Gerüche, Beleuchtung und Geräusche – eben das, was einem am längsten in Erinnerung bleibt: Ein Aufenthaltsraum für Fahrschüler, die Schule noch geschlossen, Geruch nach Moder, warmem Kakao, Schweiß, Radiergummis, Geraschel von verspätet gemachten Hausaufgaben, Vogelgesang, schummriges Licht im Kellergewölbe... Er beschreibt das Ganze als „irgendwie unheimlich“.
Die vielen Schüler hören gespannt zu und werden nun auch schreiben. Ihre eigenen Geschichten zu Räumen am Athenaeum. Da eine Menge der schönsten der Texte veröffentlicht werden sollen, rät Herr Baghwati, nicht hauptsächlich über Menschen zu schreiben und keine Namen zu nennen. „So geschichtenartig?“ fragt eine Schülerin nach. „Ja, genau, gute Idee!“ kommt als Antwort.
Altbekanntes soll neu und mit allen Sinnen erfasst werden, eben nicht traditionell, sondern eher atmosphärisch, damit es dann später in das Gesamtkunstwerk eines vertonten Athenaeums einfließen kann. Wir alle werden die Ergebnisse dann 2013, im Jubiläumsjahr, bestaunen und mit allen Sinnen aufnehmen können. --- Barbara Post ---

Das Bhagwati-Projekt wurde nach dem deutsch-indischen Komponisten Sandeep Bhagwati benannt, da er uns bei seinem angebotenem ASS-Kurs inspiriert und uns hilft ein schönes Jubiläumsfest hinzubekommen. Bhagwati war vorher auch Schüler am Athenaeum und machte hier erfolgreich seinen Abschluss. Doch nach seinem Abschluss hatte er einen hügeligen Weg, bis er das geworden ist, was er jetzt ist, nämlich Musik- Professor und Komponist in Kanada.
Bevor er in Kanada wohnte, lebte er in Frankreich. Er erzählte uns, dass er in Frankreich fast mittellos war. Er lebte damals 5 Jahre in seinem verbeulten Auto, das in Deutschland nie durch den TÜV gekommen wäre und schrieb eine Oper.
„Dann war ich auf einmal Professor für Musik“, sagt Bhagwati. Nachdem er uns über seinen Lebenslauf berichtet hatte, gab er uns einen Einblick in seine Arbeit mit Musik, indem er uns Videos auf seiner Webseite zeigte (www.matralab.de) In einem der Videos ging es um Flüchtlinge aus dem Krieg, die ihre Story erzählen, aber ohne Worten sondern nur mit Gesten. Das war sehr spannend, da man auch ohne Worte das Leiden, die Schmerzen und die Verzweifelung der Menschen gut nachvollziehen und mitfühlen konnte. Ebenfalls zeigte er uns eine seiner ungewöhnlichen Partituren, die er geschrieben hatte. Die Partitur war für Schiffe und Chor geschrieben. Die Schiffe hielten einen Hupton aus und der Chor bekam Anweisungen, wie er singen sollte. Da die Chorsänger aber leiser waren als die Hupen der Schiffe, spazierten sie im Publikum herum, so dass immer zwei- drei Leute hören konnten, was sie sangen. Zum Schluss versuchten wir ebenfalls ein Stück dieser Partitur nachzumachen, indem Herr Warnert, Herr Veit und Herr Bhagwati einen Ton aushielten, um die Schiffshupe zu animieren und wir sangen die Noten des Chores. Zum Abschluss gab er uns noch Ideen für die Gestaltung des Jubiläums mit. --- Marlene Schüttler ---

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