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  1. linie1

Die „Linie 1“ hält am Stadeum Stade

von Joshua Minow

Am 28. Juni führte der Chor das Berliner Kultmusical „Linie 1“ im Stadeum auf.
Zur Vorbereitung auf diesen Abend habe ich mir zunächst ein paar grundlegende Informationen aus dem Internet geholt:
Das Musical wurde im Jahr 1986 vom Grips Theater uraufgeführt und wird dort noch immer gezeigt. Damit entstammt es einer Zeit, in der Berlin und der Rest Deutschlands noch in West und Ost geteilt gewesen ist. Die U-Bahnlinie 1 verlief im Westteil der Stadt und endete in Kreuzberg, auch damals schon ein Synonym für multikulturelles Zusammenleben.
Die Musik stammt von Birger Heymann mit der Rockbank „No ticket“ und die Texte von Volker Ludwig. Grundsätzlich gebe ich zu, kein großer Musical-Fan zu sein. Dementsprechend waren dann auch meine Erwartungen an den Abend. Da es aber schließlich ein Kult-Musical ist, habe ich mich entschlossen hinzugehen – vielleicht könnte es spannend werden.
Also auf ins Stadeum. Der Saal war fast restlos gefüllt und das Publikum bunt gemischt; ein gutes Vorzeichen.
Das Licht auf der Bühne ging an und die Bühne wurde zum Bahnhof Zoo in Berlin.

Die junge Ausreißerin Natalie kommt aus Westdeutschland nach Berlin, um dort ihren „Traumprinzen“, den Berliner Rockmusiker Johnny, zu suchen. Kennengelernt hat sie ihn bei einem Konzert in ihrer westdeutschen Heimat(Klein)stadt. Sie ist schwanger - von ihm.
Die Adresse, die er ihr gegeben hat: Berlin-Kreuzberg. Sie kommt früh am Morgen am Bahnhof Zoo an und natürlich holt er sie nicht ab. Sie beschließt sich allein auf dem Weg nach Kreuzberg zu machen und so beginnt ihre Odyssee durch die Großstadt. Auf ihrer Reise begegnet Natalie in der U-Bahn bzw. im Bereich diverser U-Bahnhöfe vielen Menschen, vielen unterschiedlichen Charakteren und wird mit Situationen konfrontiert, die sie in ihrem Heimatstädtchen nie erlebt hat. So trifft sie Dealer, Junkies, Penner, eine reiche Lady, Kontrolleure, einen Betrunkenen, Ausländer, Touristen, eigenartige Witwen. Sie erfährt von jedem ein Stück ihrer Lebensgeschichte, mal lustig, mal eher tragisch. So erlebte das Publikum einen Querschnitt der Berliner Gesellschaft. Es ist dabei, wenn sich die erst etwas naiv wirkende Natalie im Verlauf des Stücks weiterentwickelt und sich ihrer Umgebung immer besser anpasst.Von Anfang an folgt ihr ein Junge.

Der Klein-Dealer Bogey und das Mädchen Maria helfen ihr sogar bei der Suche nach Johnny. Es stellt sich heraus, dass Johnny ihr eine falsche Adresse gegeben hat und bereits mit einer anderen Frau zusammen ist. Eine Frau, die sie zwischendurch sogar getroffen hat. Alles endet aber schließlich mit einem Happy-End. Sie wird mit dem Jungen, der ständig in ihrer Nähe bleibt, glücklich. Den Musik-Stil würde ich als typisch 80ger im Stil der Neuen Deutschen Welle bezeichnen. Und auch die große Hymne ( das Lied von Maria ) fehlte nicht.
Dargestellt wurde dieses Stück hauptsächlich von den Mitgliedern des Schulchors des Athenaeum. Daneben waren auch einige Abiturienten, sowie zwei Lehrer beteiligt. Regie führte Herr Warnart.
Die Musik wurde ebenfalls von Schülern gespielt, natürlich direkt vor Ort. Dass es sich bei den Akteuren, Darstellern und Musikern nicht um Profis handelte, wirkte sich nicht auf die Qualität des Stücks aus. Hervorragende Gesangsleistungen, eine gelungene Darstellung der einzelnen Szenen, inklusive Bühnenbild und eine sehr gute musikalische Unterstützung prägten den Abend.

Die Reaktionen des Publikums bestätigten nur noch die Tatsache, dass es eine sehr gelungene Aufführung war. Nach jeder Gesangseinlage jubelte das Publikum. Befragte Zuschauer waren sich alle einig, die Sänger seien „konzertreif“ und auch die Tanzkünste des Chors wurden gelobt.
Insgesamt kann man sagen, dass der Chor und alle anderen, die zum Erfolg der Aufführung ihren Beitrag leisteten, mich und den Rest des Publikums hervorragend unterhalten haben. Auch wenn meine Musical-Allergie dadurch nicht geheilt werden konnte, bin ich beeindruckt. Die Aufführung hat gezeigt, dass nicht immer ein riesiges Bühnenbild und diverse Special-Effekts notwendig sind, um das Publikum zu begeistern.

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