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Nachgedacht über...

...gescripteten Erfolg der Reality-Serien

von Julius Kamper

Wer das Nachmittagsprogramm bestimmter Privatsender einschaltet, der kommt an ihnen nicht vorbei: Scripted-Reality-Serien. Diese billig zu produzierenden Sendungen, die im dokumentarischen Stil Vorurteile, vor allem über sozial schwache Gruppen, bedienen, haben in den letzten Jahren einen Siegeszug in den Privatsendern begonnen, dessen Ende noch gar nicht abzusehen ist. Für die Fernsehsender ist dies ein gutes Geschäft, denn mit Scripted-Reality lässt sich gutes Geld verdienen.

Die Storys, die in den Serien Nachmittag für Nachtmittag erzählt werden, gleichen sich alle mehr oder weniger. Vertreter sozial schwacher Schichten, egal ob Hartz IV–Empfänger auf Jobsuche, Übergewichtige auf der Suche nach der Liebe oder schwangere Teenager, sie alle passen perfekt in dieses Format und zu den unrealistischen und absurden Geschichten, die in den 45 Minuten langen Folgen behandelt werden. Die Handlung ist nicht aufwendig, kompliziert oder gar anspruchsvoll, sondern einfach und leicht verständlich gestaltet. Dabei werden oft die gängigen Klischees bedient, wodurch dem Zuschauer ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber den gezeigten Figuren gegeben wird. Egal, wie mies das eigene Leben läuft, dem Arbeitslosen, der mit Mitte 30 immer noch bei Mutti wohnt, geht es noch schlechter. Das Elend anderer Leute schauen sich viele Zuschauer offensichtlich gerne an, was die guten Quoten und Marktanteile beweisen.

Und obwohl der dokumentarische Stil dieser Sendungen einem das Gegenteil vorgaukelt, ist nicht mehr viel Wahres dran an Scripted-Reality. Denn die Personen, die dort auftauchen, sind gecastete Laiendarsteller, die man im Gegensatz zu teuren Schauspielern mit einigen hundert Euro Gage pro Drehtag abspeisen kann. Als Kulisse dient die Wohnung beziehungsweise das Haus der Darsteller, ein teures Studio ist somit ebenso wenig notwendig wie ein großes Dreh-Team. Einen Kameramann, einen für den Ton und einen für das Licht, mehr wird nicht gebraucht. Auch die Persönlichkeitsrechte, die bei richtigen Personen ein Problem wären, müssen nicht beachtet werden, denn alles, was passiert, jeder Fluch der Hartz IV–Mutter und jeder angebliche Streit steht im Drehbuch. Ein kleiner Hinweis am Anfang und am Ende jeder Ausgabe weist darauf hin, dass „alle Fälle frei erfunden“ seien. Doch auch erfundenes Elend scheint attraktiv zu sein.

Für die Fernsehsender ist dies ein gutes Geschäft, denn neben den niedrigen Produktionskosten und dem geringen Aufwand hat Scripted-Reality noch einen weiteren Vorteil: Täglich schauen Millionen von Menschen zu, was die Werbeplätze am Nachmittag begehrt und damit teuer macht. Außerdem fallen diese Serien in den Bereich der „seichten Unterhaltung“, die für die Werbewirtschaft besonders attraktiv ist.

Nun kann man das böse Fernsehen verteufeln, das Personen bloßstellt und ihre Geschichten in oft übertriebener Art und Weise ausschlachtet, egal ob diese nun echt sind oder nicht, anstatt in gute Eigenproduktionen zu investieren. Doch solange es genug Zuschauer gibt, die jeden Tag einschalten, werden auch solche Serien weiter produziert. Quoten und Marktanteile bestimmen schließlich, was läuft. Die Fernsehanstalten senden das, was viele Leute sehen wollen. Und wer kann ihnen das verübeln?

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